Was beim Hearing der ORF-Stiftungsräte tatsächlich geschah, wissen nur die Anwesenden. Fest steht: Noch nie dauerte die Wahl eines ORF-Generaldirektors so lange. Rund 14 Stunden lang wurde um den neuen Boss gefeilscht.
Spät in der Nacht auf Freitag setzte sich APA-Chef Clemens Pig durch. Bereits kurz nach seiner Wahl sorgt nun ein Detail aus seinem 129-seitigen Konzept für Aufsehen: Die bisherige Radiodirektion soll aufgelöst werden.
Der 51-jährige Tiroler übernimmt mit 1. Jänner das Ruder am Küniglberg und kündigt einen umfassenden Umbau des ORF an. Der Sender müsse "digital stärker, publizistisch klarer, organisatorisch einfacher und öffentlich überprüfbarer" werden, heißt es in seinem Konzept.
Besonders brisant: Die Radiodirektion soll künftig nicht mehr als eigene Einheit bestehen. Die Radio-Agenden würden stattdessen im neuen Bereich "Audience & Plattformen" gebündelt. Dort sollen künftig strategische Programmplanung, ORF ON, Sound, Radio, Podcasts, Creator-Angebote und Nutzererlebnis zusammengeführt werden.
Für viele in der Medienbranche kommt dieser Schritt überraschend. Seit Wochen wurde darüber spekuliert, wer den Posten eines künftigen Radiodirektors übernehmen könnte. Mit der geplanten Auflösung der Direktion dürfte sich diese Frage nun erledigt haben.
Pig begründet den Schritt mit einer stärkeren Ausrichtung auf das Publikum und digitale Angebote. Der neue Bereich solle sicherstellen, dass der ORF seine Nutzer auf allen Plattformen erreiche und als "Brücke zur Creator Economy" fungiere.
Wirklich überraschend: Seit Wochen galt bereits der Posten der neuen Radio-Direktorin als fix vergeben. Laut Informationen aus der Politik und von zahlreichen ORF-Insidern war klar, dass SPÖ-Medienminister Andreas Babler, die aktuelle FM4-Chefin Doroteja Gradištanac, vielen noch als "Dodo" aus dem Ö3-Wecker bekannt, als Radiochefin auf rotem Ticket auserkoren hatte.