Nach dem Amoklauf in Graz gelten in Österreich strengere Regeln für den Kauf von Schusswaffen. Gleichzeitig ist die Zahl der registrierten Waffenbesitzer und Waffen vor Inkrafttreten der neuen Bestimmungen noch einmal gestiegen.
Die Reform des Waffengesetzes wurde in zwei Schritten umgesetzt. Bereits seit November 2025 ist der Datenaustausch zwischen Behörden verbessert, unter anderem durch die Einbindung der Stellungskommission. Hintergrund ist, dass der Täter von Graz seine Waffen legal besessen hatte, obwohl bei der Stellung psychologische Auffälligkeiten festgestellt worden waren.
Ebenfalls verschärft wurde die sogenannte Abkühlphase: Zwischen Kauf und tatsächlicher Übergabe einer Schusswaffe müssen nun vier Wochen liegen. Zuvor waren es drei Werktage.
Ende April folgte die nächste Verschärfung. Für Waffen der Kategorie B, also etwa Pistolen und Revolver, wurde das Mindestalter von 21 auf 25 Jahre angehoben. Bei Waffen der Kategorie C, darunter Flinten und Büchsen, stieg die Altersgrenze von 18 auf 21 Jahre. Ausnahmen gibt es für beruflich notwendige Waffen sowie für Jäger und Sportschützen.
Auch die psychologische Eignungstestung wurde geändert. Ein Gespräch ist nun verpflichtend, zudem kommen neue Testverfahren zum Einsatz. Wer innerhalb eines Jahres zweimal negativ beurteilt wird, erhält eine Sperrfrist von zehn Jahren. Außerdem hat die Polizei erweiterte Kontrollbefugnisse im Umfeld von Schulen und Kindergärten.
Vor dem Inkrafttreten der strengeren Regeln stieg die Zahl der registrierten Waffenbesitzer weiter an. Laut Innenministerium waren mit Stand 1. Juni 382.906 Personen registriert. Insgesamt gab es 1.566.931 registrierte Waffen inklusive Zubehör und großer Magazine. Der Großteil entfällt auf Gewehre der Kategorie C, berichtet "Die Presse".
Damit liegen die Zahlen über jenen des Vorjahres. Am 1. Juli 2025 waren 1.523.377 Schusswaffen und 375.435 Waffenbesitzer registriert. Auch gegenüber April 2026 gab es noch einmal einen Anstieg.
Ob sich die Entwicklung nun beruhigt, bleibt offen. Die Psychologin, Psychotherapeutin und Gutachterin Eva Seidl berichtet derzeit jedenfalls von einer "sehr gering" Nachfrage nach waffenpsychologischen Gutachten. Im vergangenen Jahr sei das anders gewesen: "Im letzten Jahr gab es bis Herbst einen massiven Hype, weil alle gewusst haben, dass das Gesetz verschärft wird", so Seidl gegenüber der "Presse".
Auch die Kosten für Gutachten wurden erhöht. Der Kostenersatz stieg von 236 auf 678 Euro. Seidl hält das für gerechtfertigt. Früher sei es bloß "ein Trinkgeld für den Aufwand" gewesen, sagt sie. Durch neue Vorgaben, etwa den Datenaustausch mit der Stellungskommission, sei der Aufwand zusätzlich gestiegen. Bisher funktioniere dieser aber gut.
Die Folgen der Amoktat von Graz sind politisch damit noch nicht abgeschlossen. Auch das geplante Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige wurde innenpolitisch mit der Tat begründet.