Asche zu Asche, Mensch zu Kompost: Immer mehr Menschen entscheiden sich für die sogenannte "Reerdigung" - eine trendige, ökologische Bestattungsform aus Deutschland, bei der menschliche Körper innerhalb von 40 Tagen zu fruchtbarer Erde werden. Auch Verstorbene aus Österreich können nach Deutschland überführt und dort "reerdigt" werden, so die Anbieterfirma "Unsere Erde" gegenüber "Heute".
Anders als bei der Feuerbestattung wird der Verstorbene nicht verbrannt, sondern in einem "Alvarium" (dt. Bienenstock) in speziellen Kokon gebettet. Das sarggroße Gefäß aus recyceltem Kunststoff wird mit Stroh, Heu und Mikrobakterien gefüllt. Angehörige der Toten können bei der Einbettung dabei sein, Blumen oder persönliche Gegenstände wie Schokolade oder sogar ein Bier beilegen.
Ein ausgeklügeltes Belüftungssystem sorgt im Inneren für die richtigen Bedingungen. Mikroorganismen zersetzen das Gewebe, die Temperatur steigt auf bis zu 70 Grad. Keime werden abgetötet, nach 40 Tagen bleibt ein in krümeliges Substrat zurück: Erde.
Sensoren überwachen laufend Temperatur, Feuchtigkeit und Sauerstoff-Zufuhr. Der Kokon wird zudem regelmäßig sanft bewegt, damit sich Flüssigkeiten gleichmäßig verteilen.
In Deutschland ist die Beisetzung von "Reerdigungs"-Kompost in mehreren Bundesländern erlaubt, etwa in Schleswig-Holstein und Hamburg. In den USA ist "Human composting" bereits in rund einem Dutzend Bundesstaaten legal. In Österreich ist die Rechtslage noch unklar, wie Bestatter auf "Heute"-Anfrage erklärten.
In Österreich ist die Bestattung Ländersache - so sind in Wien nur Erd- und Feuerbestattungen erlaubt. Eine "Reerdigung" oder Beisetzung von aus einer "Reerdigung" stammendem Humus "ist nicht geregelt", erklärt Lisa Pernkopf von den Friedhöfen Wien auf "Heute"-Anfrage.
Begleitet wurde das Verfahren der "Reerdigung" (oder Terramation) unter anderem vom Rechtsmedizinischen Institut der Universität Leipzig. Das Ergebnis: Die Knochen altern in diesen 40 Tagen so stark wie sonst in 20 bis 50 Jahren im Erdgrab. Der technische Begriff lautet "natürliche organische Reduktion".
Das aus dem "Reerdigen" gewonnene Erdmaterial wird anschließend in ein Tuch gegeben und über ein Bestattungsunternehmen beigesetzt. Rund 200 Betriebe arbeiten mittlerweile mit dem Anbieter zusammen. Die Kosten liegen mit 4.250 Euro auf dem Niveau einer Feuerbestattung.
Ökologisch schneidet die Methode exzellent ab. Laut einer Vergleichsstudie verursacht die "Reerdigung" nur rund zehn Prozent der Umweltbelastung einer Kremation. Bei Einäscherungen werden fossile Brennstoffe verbraucht, zudem fallen jährlich hunderte Tonnen Filterrückstände als Sondermüll an.
Warum entscheiden sich Menschen dafür? Viele schätzen den Gedanken, Teil des natürlichen Kreislaufs zu bleiben. "Erde zu Erde", so beschreibt das Unternehmen.