"Embers to Ashes"

Neues Album von Everlast: "Inspiriert vom Chaos"

Feuer, Pandemie, Scheidung und neue Hoffnung: Everlast blickt auf seinem neuen Album "Embers to Ashes" auf ein bewegtes Jahrzehnt zurück.
Jochen Dobnik
02.09.2026, 21:18
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Nach acht Jahren Pause ist Everlast mit einem neuen Album zurück. "Embers to Ashes" (auf Deutsch: "Von der Glut zur Asche") führt mitten hinein in eine Lebensphase, die für den US-irischen Musiker von schweren Einschnitten, Verlusten, aber auch neuen Erfahrungen geprägt war.

Der heute 61-Jährige, der als Erik Francis Schrody geboren wurde, erzählt darauf nicht einfach seine eigene Geschichte nach. Vielmehr nimmt er persönliche Erlebnisse zum Ausgangspunkt für Songs über Liebe, Verlust, Wut, Veränderung, Hoffnung und die Frage, was vom Leben übrig bleibt, wenn vieles plötzlich anders kommt als geplant.

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Musikalisch bewegt sich Everlast dabei zwischen Americana, Blues und Roots-Rock. Seine markante, tiefe Stimme trifft auf Geschichten, die weniger nach glatt polierter Rückschau klingen als nach einem Mann, der gelernt hat, mit den Widersprüchen des Lebens zu leben.

Im Zentrum seines 8. Studioalbums steht eine Haltung, die Everlast nach eigenen Angaben schon lange begleitet. Zwei Gedanken seien für ihn besonders wichtig: Was immer passiert, sei unvermeidlich, und auch schwierige Zeiten würden irgendwann vorübergehen. Diese Sichtweise bekommt auf "Embers to Ashes" besonderes Gewicht. Denn die vergangenen Jahre haben dem Musiker einiges abverlangt.

2018 verlor Everlast sein Haus in Los Angeles beim Woolsey-Feuer. Danach folgten die Pandemie, eine Scheidung und weitere persönliche Veränderungen. Das neue Album entstand damit vor dem Hintergrund eines Jahrzehnts, in dem sich sein Leben grundlegend verändert hat. "Das Album ist eine Sammlung von Songs, die sich um mein letztes Jahrzehnt drehen, nicht unbedingt autobiografisch, sondern 'inspiriert von' dem Chaos, den Verlusten und ein paar Erfolgen."

Dass ausgerechnet Yelawolf hinter der Produktion steht, hat ebenfalls eine längere Vorgeschichte. Die beiden Musiker lernten sich bereits 2015 in Berlin kennen. Everlast war damals eigentlich auf dem Weg nach Paris. Dort wollte er Eagles of Death Metal im Bataclan sehen. Stattdessen entschied er sich, in Berlin zu bleiben und Yelawolf zu sehen.

Es war ein folgenreicher Abend. Während die ersten Nachrichten über die Terroranschläge in Paris eintrafen, sprachen die beiden über eine mögliche Zusammenarbeit. Yelawolf soll Everlast damals angeboten haben, ein Album für ihn zu produzieren. Rund zehn Jahre später wurde aus dieser Idee tatsächlich Realität. Die beiden trafen sich in Nashville, um "Embers to Ashes" aufzunehmen.

Besonders deutlich wird die persönliche Ebene des Albums in den Songs, die sich mit Beziehungen und dem Ende einer Liebe beschäftigen. "Losing Man’s Game", "Love Don’t Heal" und "Broken Heart for Hire" nähern sich dem Liebeskummer aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Es geht um Schmerz und Enttäuschung, aber auch um die Wut, die nach einem Verlust entstehen kann, und um jene Phase, in der irgendwann eine gewisse Leere einsetzt.

Dabei bleibt Everlast nicht ausschließlich bei seiner eigenen Perspektive. In "Never Coming Home" erzählt er eine düstere Geschichte in Form einer Murder Ballad. "Happy You Can Cry" wiederum beschäftigt sich mit dem Thema Freiheit und dem Leben einer Frau, deren Weg von Rückschlägen geprägt ist. Die Songs greifen damit Geschichten auf, die über Everlasts eigene Biografie hinausgehen.

Auch seine Vergangenheit als Hip-Hop-Musiker blitzt immer wieder durch. Wer Everlast vor allem mit "Jump Around" verbindet, kennt allerdings nur einen Teil seiner Geschichte. Der Song wurde 1992 mit House of Pain veröffentlicht und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Hip-Hop-Hits seiner Zeit. Einige Jahre später schlug Everlast eine deutlich andere Richtung ein. Mit "What It’s Like" veröffentlichte er 1998 einen Song, der soziale Themen und Empathie miteinander verband und zu seinem bekanntesten Solo-Hit wurde.

Auch seine Verbindung zu Rock und Blues ist auf dem neuen Album unüberhörbar. Everlast gewann gemeinsam mit Santana einen Grammy und wurde über die Jahre vor allem dafür bekannt, Rap mit Elementen aus Blues und Rock zu verbinden. Auf "Embers to Ashes" setzt er diese Verbindung fort, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, seine Vergangenheit wiederholen zu wollen.

Stattdessen geht es um das, was inzwischen hinter ihm liegt. In "1987" blickt Everlast auf eine Zeit zurück, die aus heutiger Sicht einfacher erscheint. Der Song führt zurück zu seinen Anfängen und zu einer Phase, bevor sich sein Leben und seine Karriere in eine andere Richtung entwickelten. Zwischen persönlichen Erinnerungen und größeren Themen entsteht so ein Album, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.

Für den Song "Put Your Lights On" (zusammen mit Santana) gewann er einen Grammy Award
Lisa Franchot Photography

Ein besonders politischer Moment findet sich in "Rubber Bullets". Everlast schrieb den Protestsong, nachdem er die Folgen des Mordes an George Floyd beobachtet hatte. Im Lied geht es um Polizeigewalt und die Frage, wie Gewalt gesellschaftlich wahrgenommen wird. Eine zentrale Zeile lautet: "Gummigeschosse töten genauso wie echte."

Daneben gibt es auf dem Album auch ruhigere und gemeinschaftlichere Momente. "Lies" erinnert musikalisch an einen Abend am Lagerfeuer, an dem Menschen gemeinsam singen und sich für einen Moment gegen den Rest der Welt abschotten. "Peace of Mind" verbindet Blues mit Rock und richtet den Blick auf die Absurditäten des modernen Lebens und den Wunsch, der Realität zumindest zeitweise zu entkommen.

Zum Schluss wird Everlast besonders persönlich. "Young Man" wirkt wie die Ansprache eines Menschen, der schon einiges erlebt hat und seine Erfahrungen an eine jüngere Generation weitergeben möchte. Dabei denkt er auch an seine beiden Töchter. Der Song handelt von Erkenntnissen, die man nicht aus Büchern oder Ratschlägen gewinnt, sondern erst durch das eigene Leben.

Das passt zum Titel "Embers to Ashes". Zwischen Glut und Asche liegt ein Zustand, in dem etwas Vergangenes noch nachwirkt, während zugleich etwas Neues entstehen kann. Everlast macht daraus keine einfache Erfolgsgeschichte. Seine vergangenen Jahre waren von Verlusten und Rückschlägen geprägt, gleichzeitig sind daraus neue Lieder entstanden.

Vielleicht liegt genau darin die Stärke der Platte. Everlast versucht nicht, schwierige Erfahrungen schönzureden. Er schaut auf das, was passiert ist, und lässt dabei auch Widersprüche stehen. Aus dem Rapper von House of Pain, dem Solo-Künstler hinter "What It’s Like" und dem Grammy-Gewinner ist ein Musiker geworden, der seine eigene Geschichte mit mehr Abstand betrachtet.

"Embers to Ashes" ist deshalb weniger eine Rückkehr zu früheren Erfolgen als eine Bestandsaufnahme. Everlast blickt zurück, ohne in der Vergangenheit stecken zu bleiben. Er erzählt von Verlust und Veränderung, aber ebenso von der Möglichkeit, nach schweren Zeiten weiterzumachen.

Für Everlast ist diese Haltung keine neue Erkenntnis. Sie zieht sich durch das gesamte Album und lässt sich auf einen einfachen Gedanken herunterbrechen: Nichts bleibt für immer. Auch schwere Zeiten nicht.

{title && {title} } dob, {title && {title} } 02.09.2026, 21:18