Europas Städte gelten im globalen Vergleich als relativ sicher – doch auch innerhalb des Kontinents zeigen sich deutliche Unterschiede. Ein aktuelles Ranking auf Basis des sogenannten "Crime Index" der Datenplattform "Numbeo" zeigt: Die südfranzösische Hafenstadt Marseille gilt als die gefährlichste Stadt Europas.
Der Index basiert nicht auf polizeilichen Kriminalstatistiken, sondern auf Umfragen unter Bewohnerinnen und Bewohnern. Bewertet werden unter anderem das persönliche Sicherheitsgefühl, die Wahrnehmung von Gewalt- und Eigentumsdelikten sowie die Einschätzung, ob Kriminalität in den vergangenen Jahren zu- oder abgenommen hat.
Das Ergebnis: Marseille erreicht einen Wert von rund 66 Punkten und liegt damit deutlich im Bereich "hoher Kriminalität". Im Vergleich dazu: Wien landete auf Platz 115 mit rund 28 Punkten und ist damit zumindest gefühlt auch sicherer als Genf in der Schweiz (112), Madrid in Spanien (113) und Bukarest in Rumänien (114). Als zweite Stadt in Österreich kommt zudem Graz auf Platz 121.
Hinter dem Spitzenplatz von Marseille stehen vor allem strukturelle Probleme. Die Stadt kämpft seit Jahren mit organisierter Kriminalität, insbesondere im Drogenmilieu. Rivalisierende Banden liefern sich regelmäßig gewaltsame Auseinandersetzungen – mit teils tödlichen Folgen. Allein 2023 wurden 49 Menschen im Zusammenhang mit Drogengeschäften getötet.
Die Gewalt konzentriert sich dabei stark auf bestimmte Viertel, insbesondere im Norden der Stadt. Dort kommt es immer wieder zu Schießereien, die auch Unbeteiligte gefährden können.
Auffällig ist die geografische Verteilung: Unter den zehn Städten mit der höchsten Kriminalitätswahrnehmung finden sich überdurchschnittlich viele aus Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Neben Marseille folgen etwa Birmingham, Grenoble oder Neapel auf den vorderen Plätzen.
Im globalen Vergleich relativiert sich das Bild: Selbst die "gefährlichste" Stadt Europas liegt im weltweiten Ranking deutlich hinter Metropolen in Lateinamerika oder Afrika.
Das aktuelle Ranking zeigt damit weniger eine dramatische Sicherheitslage als vielmehr die Unterschiede innerhalb Europas – und die Bedeutung sozialer Rahmenbedingungen für das subjektive Sicherheitsempfinden.