Entscheidung fix

Neues Weinviertler Top-Spital wird in Stockerau gebaut

Am Montag wurde der Standort für das neue Mega-Projekt am Gesundheitssektor in NÖ bekannt gegeben: Die Stadt Stockerau machte das Rennen.
Erich Wessely
20.04.2026, 13:12
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Mit etwas über 17.000 Einwohnern ist die Stadtgemeinde Stockerau die größte Stadt des Weinviertels, liegt nur rund 25 Kilometer nordwestlich von Wien entfernt. Hier soll also das neue Landesklinikum Weinviertel Süd-West gebaut werden.

Der Prozess um die Standortwahl lief zuletzt, wie berichtet, auf Hochtouren. Insgesamt 14 in Frage kommende Grundstücke wurden durch eine Standortfindungskommission unter dem Vorsitz von Professor Gottfried Haber geprüft – zuletzt hatte sich auch Hollabrunn mit einer Standortstudie in Stellung gebracht und sich Chancen ausgerechnet.

Das Rennen für das neue Weinviertler Top-Spital machte jetzt aber Stockerau. In einem komplizierten Prozedere (u.a. Öffi-Anbindung, strategische Lage) waren die in Frage gekommenen Standorte bewertet worden.

700 Betten, 100 ambulante Betreuungsplätze

Das neue Landesklinikum Weinviertel Süd-West (700 Betten, rund 2.300 Mitarbeiter) soll in den nächsten zehn bis 15 Jahren entstehen. Damit sollen die Standorte Hollabrunn, Stockerau und Korneuburg ersetzt und an einem Standort gebündelt werden.

Freude im Rathaus Stockerau: Die Stadtgemeinde erzielt den Zuschlag.
Bild: heute.at

Präsentiert wurde die Standort-Bekanntgabe von den zuständigen Landesräten Anton Kasser (VP), Martin Antauer (FPÖ) und Christiane Teschl-Hofmeister (VP).

Im Weinviertel wird es künftig zwei große Schwerpunktspitäler geben, nämlich in Mistelbach (wird künftig Klinikum Weinviertel Nord heißen) und eben das Landesklinikum Weinviertel-Süd in Stockerau.

Präsentation des neuen Klinik-Standorts mit den Landesräten Teschl-Hofmeister, Kasser und Antauer.
Sceenshot

Man müsse "weg vom Kirchturm und die Region als Ganzes betrachten", betonte Landesrat Kasser. Änderungen werde es erst geben, wenn neue Strukturen geschaffen werden. Das heißt, erst wenn das neue Klinikum in Stockerau in Betrieb geht, werden die Spitäler in Hollabrunn, Korneuburg und das bisherige in Stockerau geschlossen werden.

"Darf kein politisches Thema sein"

"Es darf kein politisches Thema sein", betonte Landesrat Antauer. Daher hätten sich Experten monatelang um die Entscheidung bemüht. Das Auswahlverfahren mittels Standortfindungskommission sei in Österreich einzigartig gewesen.

Pflegeausbildungszentrum in Hollabrunn

"Wir müssen handeln", sagte Landesrätin Teschl-Hofmeister – sie gab einen Ausblick, was den Bereich der Pflege betrifft. In Hollabrunn wird daher ein großes Pflegeausbildungszentrum entstehen. Auch in Korneuburg soll am Areal des bisherigen Krankenhauses ein Pflegebildungs-Hot-Spot geschaffen werden.

20 ausgearbeitete Kriterien

Was bisher durchsickerte: Anhand von 29 ausgearbeiteten Kriterien und komplexen Verfahren musste der bestgeeignete Standort gefunden werden. Jedes Grundstück sei bewertet worden, so ein Experte, dazu seien auch Robustheitsanalysen durchgeführt worden. Der ausgewählte Standort in Stockerau sei dabei als Sieger hervorgegangen.

NEOS begrüßen Entscheidung

NEOS begrüßen das Zustandekommen der Entscheidung zum neuen Klinikstandort im Weinviertel. Dass bei dieser zentralen Zukunftsfrage eine unabhängige Expertenkommission eingesetzt wurde, hebt Gesundheitssprecherin Edith Kollermann lobend hervor. "Damit ist sichergestellt, dass diese Standortentscheidung auf nachvollziehbaren und transparenten Kriterien basiert – und nicht auf politischen Seilschaften, Zurufen oder Eigeninteressen", so Kollermann in einer Aussendung.

Positiv bewertet sie auch die geplante Struktur mit einem zusätzlichen Pflege- und Betreuungszentrum sowie einem psychosozialen Zentrum in Hollabrunn und einem Ausbildungscampus in Korneuburg: "Diese Lösung stärkt die gesamte Region und denkt Gesundheitsversorgung endlich über einzelne Standorte hinaus." Kollermann fordert, diesen Weg auch bei zukünftigen Großprojekten und komplexen Strukturfragen konsequent fortzusetzen: "Gerade bei weitreichenden Entscheidungen braucht es den Mut, neue Wege zu gehen – mit transparenten Verfahren, klaren Kriterien und nachvollziehbaren Ergebnissen. Das muss zum neuen Standard in Niederösterreich werden."

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Kritik der Grünen

Die Entscheidung von ÖVP und FPÖ für Stockerau als Standort des neuen NÖ-Klinikums lasse den Norden des Weinviertels "medizinisch im Regen stehen", heißt es in einer Aussendung der Grünen. "Das Klein-Klein der Gesundheitsplanung wird durch die Wahl von diesem Standort verstärkt. Wir haben einerseits 15 Minuten westlich Tulln als Standort und 15 Minuten nach Wien. Das zeigt einmal mehr: Die Planung der Gesundheitsstruktur muss in Bundeskompetenz, denn bei dieser Entscheidung wurde Wien offenbar nicht mitgedacht", sagt Gesundheitssprecherin Silvia Moser.

Besonders die Standortwahl in einem Hochwasser-Gebiet lasse bei den Grünen Unverständnis zurück. "Wir wissen aus leidvoller Erfahrung, dass selbst Hochwasser-Ereignisse mit 300-jähriger Wahrscheinlichkeit mittlerweile nicht auszuschließen sind. Einen Milliardenbau in einem solchen Gebiet zu errichten, ist verantwortungslos", sagt Weinviertel-Landtagsabgeordneter Georg Ecker (Grüne). Und: "Während ÖVP und FPÖ in Stockerau ein neues Spital ankündigen, wird das Krankenhaus Hollabrunn Schritt für Schritt ausgehöhlt und der Notarztstützpunkt Retz bereits nächstes Jahr ersatzlos gestrichen. Die Standortwahl war ein Prozess nach politischen Vorgaben", so Ecker.

VPNÖ Richtung Grüne NÖ: "Pures Angstschnüren"

VPNÖ-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner reagierte verwundert "über den grünen Alleingang", wenn es um die Gesundheitsregion Weinviertel geht: "Die niederösterreichischen Grünen haben offenbar nicht verstanden, dass der Gesundheitsplan 2040+ der mutige Vorstoß in eine gesicherte und nachhaltige Gesundheitsversorgung Niederösterreichs ist. Zum präsentierten Update der Gesundheitsregion Weinviertel wurden die Grünen, so wie alle anderen Landtagsparteien, im Vorhinein vollumfänglich informiert."

Und weiter: "Auch alle Fragen, die sich Frau Moser und Herr Ecker stellen, wurden vor der Pressekonferenz heute beantwortet. Die Äußerungen der Grünen sind nichts anderes als pures Angstschüren und Populismus in Reinkultur, entgegen der Expertenmeinung von dutzenden Fachleuten. Übrig bleibt offensichtlich, dass die Grünen jede Standortentscheidung kritisiert hätten, die die Kommission vorgelegt hätte. Das ist keine konstruktive Politik im Sinne der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher – das ist parteipolitisches Kleingeldwechseln auf dem Rücken der Bevölkerung."

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