Erste Entwürfe präsentiert

Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Gusen vorgestellt

Der neue Entwurf für die KZ-Gedenkstätte Gusen setzt auf behutsame Architektur und macht die Geschichte des Ortes respektvoll erfahrbar.
Oberösterreich Heute
17.11.2025, 14:01
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In Langenstein wurde am Montag das Siegerprojekt für den Ausbau und die Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Gusen präsentiert. Der Baustart ist für 2027 angesetzt, bis 2031 soll ein "Weg der Erinnerung" entstehen.

Das Projekt zur Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Gusen nimmt die wichtigsten Punkte aus dem Masterplan auf und setzt sie mit passenden architektonischen, städtebaulichen und landschaftsplanerischen Lösungen um. "Dies betrifft unter anderem die Wegeführung, die Berücksichtigung von Sichtpunkten und Blickachsen sowie die Funktionalität des neuen Ankunftsgebäudes und des 'Raums der Stille'", heißt es in der Jurybewertung.

Das Architekturbüro querkraft architekten wurde 1998 gegründet und besteht mittlerweile aus einem 45-köpfigen Team. Das Ingenieurbüro Kieran Fraser Landscape Design, das sich auf Landschaftsarchitektur spezialisiert hat, plant seit 2011 Projekte im In- und Ausland. Der renommierte österreichische Künstler Peter Sandbichler ist ebenfalls Teil des Teams.

Laut einer Aussendung setzt der vorliegende Entwurf auf einen respektvollen Umgang mit dem Bestand. Es werden behutsame, aber präzise Akzente gesetzt. Ziel ist es, die historischen Spuren des Ortes nicht zu überdecken, sondern durch gezielte Eingriffe spürbar zu machen.

Das neue Ankunftsgebäude sei leicht zu finden, passe sich der natürlichen Landschaft an und hebe sich in der Materialwahl klar von den benachbarten SS-Baracken ab. Es bildet den Auftakt zum Rundgang. Mit seinem begrünten Dach und der in die Geländekante integrierten Struktur verbindet es Natur und Architektur.

Auch Innenminister Karner, Minister Hattmannsdorfer und LH Stelzer waren bei der Präsentation dabei.
fotokerschi.at

Im Mittelpunkt steht der Weg der Erinnerung, der sich als sichtbares Band durch die Landschaft zieht. Er verbindet die archäologischen und baulichen Überreste zu einer "vernetzten Erinnerungslandschaft". Der Raum der Stille überzeugt als feine Skulptur, die einen fließenden Übergang zwischen Innen und Außen schafft und mit der Natur sowie den Jahreszeiten spielt.

Peter Sandbichler hat aus den Bahnschwellen der ehemaligen Schleppbahn ein gestalterisches Leitmotiv entwickelt, das sich dezent, aber klar im Gelände abzeichnet und eine Verbindung zwischen den Gedenkorten schafft. In St. Georgen an der Gusen wird diese Linie fortgesetzt: Die Struktur des ehemaligen Bergkristallstollens wird durch ein präzises Wegesystem am Boden nachgezeichnet und so im Bewusstsein der Besucher wieder sichtbar gemacht.

Das Konzept schaffe eine Balance zwischen der Sichtbarmachung der historischen Relikte und markanten baulichen Eingriffen. So werde Gusen einerseits zu einem eigenständigen Gedenkort, andererseits werde die Verbindung zu anderen Gedenkorten gestärkt.

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"Mit dem vorliegenden Entwurf ist etwas zuvor kaum Vorstellbares gelungen", sagt Barbara Glück, Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. "Nämlich einen Konsens zwischen den Menschen zu finden, die sich auf unterschiedlichste Weisen mit dem ehemaligen Konzentrationslager Gusen auseinandersetzen. Mit der Umsetzung der Pläne wird dieser nun weithin sichtbar und die KZ-Gedenkstätte Gusen zu einem zukunftsfähigen Ort der gemeinsamen Erinnerung und Reflexion."

Innenminister Gerhard Karner betont: "Gedenkarbeit ist oft eine schwere Aufgabe, insbesondere eine große Verantwortung gegenüber den Opfern. Gedenkarbeit ist aber auch nachhaltige Zukunftsarbeit, vor allem zur Immunisierung vor rassistischer Propaganda und diktatorischen Feinden der Demokratie. Die Gedenkstätte Gusen wurde und wird in Zukunft in einem einzigartigen Beteiligungsprozess weiterentwickelt. Dadurch ist es gelungen, die Interessen der Opferverbände, aber auch der Gemeinden entsprechend zu berücksichtigen."

Wolfgang Hattmannsdorfer, Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus, ergänzt: "Gerade in einer Zeit der Polarisierung und dem Erstarken gesellschaftlicher Extreme, aber auch Antisemitismus, braucht es Orte des Gedenkens. Orte, die uns als Gesellschaft dazu aufrufen, zusammenzustehen und Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Um diese Verantwortung niemals zu vergessen, wollen wir daher die Geschichte dieses Ortes sichtbarer machen und sie in die Sprache unserer Zeit übersetzen. Der nun vorliegende Entwurf respektiert die historischen Spuren und schafft einen Zugang, der dieses Kapitel unserer Geschichte mit der gebotenen Würde vor den Opfern in die Gegenwart trägt."

Landeshauptmann Thomas Stelzer sagt: "Gusen ist ein Ort, an dem wir uns unserer Geschichte mit voller Klarheit stellen müssen. Dass der Gedenkort neu gestaltet wird, ist ein deutliches Zeichen unserer Verantwortung gegenüber den Opfern und ihren Familien. Wir zeigen damit, dass wir hinschauen, benennen und nicht vergessen. Dieser Gedenkort ist Ausdruck dessen, dass wir als Land unsere Verantwortung annehmen und aus der Geschichte lernen. Er soll ein Platz der Erinnerung und der Mahnung sein – und ein sichtbares Bekenntnis zu Freiheit, Demokratie und Menschenwürde."

Das KZ Gusen wurde 1939 als Zweiglager des KZ Mauthausen gegründet. Anfang 1944 kam ein weiteres Barackenlager, Gusen II, dazu. In den Jahren 1944 und 1945 waren in den beiden Gusener Lagern zeitweise mehr Menschen interniert als im Hauptlager Mauthausen. Insgesamt wurden etwa 72.000 Personen aus ganz Europa nach Gusen deportiert. Mindestens 35.000 von ihnen haben die Haft nicht überlebt. Die größten nationalen Gruppen kamen aus Polen und der Sowjetunion.

Am 5. Mai 1945 wurde das KZ Gusen von der US-Armee befreit. Anfang der 1960er Jahre kauften internationale Häftlingsverbände das Grundstück rund um den erhaltenen Krematoriumsofen und errichteten dort das Memorial Gusen. Im Jahr 2003 wurde ein Besucherzentrum eröffnet. Jetzt soll die Gedenkstätte erweitert werden.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 17.11.2025, 15:29, 17.11.2025, 14:01
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