Viele offene Fragen

Neun Tote in Krakau – Experte zweifelt an Terror-Motiv

Neun Tote, darunter eine Österreicherin: Der Terroranschlag in Krakau sorgt für Entsetzen. Terror-Experte Peter Neumann sprach darüber in der "ZiB 2".
08.11.2026, 22:09
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Auch am Tag nach dem blutigen Terroranschlag sitzt der Schock in der polnischen Stadt Krakau tief. Ein schwer bewaffneter 24-Jähriger hatte am Samstagnachmittag im historischen Stadtzentrum wahllos auf Passanten geschossen. Neun Menschen kamen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Einige schweben weiterhin in Lebensgefahr.

Der mutmaßliche Täter wurde nach einem Schusswechsel mit der Polizei festgenommen. Er soll zuvor auch seine Eltern und seine Schwester getötet haben. Die Ermittler vermuten einen rechtsextremen Hintergrund.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Unter den Todesopfern befindet sich auch eine Frau aus Österreich. Wie "Heute" erfuhr, handelt es sich um eine 51-Jährige aus dem Bezirk Gänserndorf in Niederösterreich. Sie war gemeinsam mit ihrem Ehemann als Touristin in Krakau unterwegs, als der Angreifer kurz nach 15 Uhr am Hauptplatz das Feuer eröffnete. Die Frau wurde von Kugeln getroffen und starb noch am Tatort. Ihr Ehemann wurde bei der Attacke verletzt.

Terror-Experte sieht noch viele offene Fragen

Am Sonntagabend ordnete Terrorismus-Experte Peter Neumann die Attacke in der "ZiB 2" ein. Für ihn sind die Hintergründe noch längst nicht geklärt. So sei unklar, ob der mutmaßliche Täter tatsächlich Verbindungen zur rechtsextremen Szene hatte. Auch die Auswahl der Opfer und die mutmaßliche Ermordung seiner eigenen Familie würden nicht eindeutig zu einem ideologisch motivierten Anschlag passen.

Neumann sieht deshalb auch Hinweise auf eine mögliche psychische Auffälligkeit. Welche Faktoren letztlich eine Rolle gespielt hätten, müsse erst geklärt werden. Hier sei noch Geduld gefragt.

Grenzen zwischen Terror und Amok verschwimmen

Laut Neumann wird es zunehmend schwieriger, zwischen Terroranschlägen, Amokläufen und psychisch motivierten Gewalttaten zu unterscheiden. Während früher vor allem die politische Motivation als Abgrenzung galt, würden diese Phänomene heute immer stärker ineinander übergehen.

Häufig kämen persönliche Kränkungen, Radikalisierung im Internet, politische Vorstellungen und eine Faszination für extreme Gewalt zusammen. Wie stark die einzelnen Faktoren ausgeprägt seien, entscheide letztlich über die Einordnung einer Tat.

Radikalisierung im Internet spielt große Rolle

Besonders das Internet sei bei Einzeltätern in den vergangenen Jahren nahezu immer von Bedeutung gewesen. Auf Online-Plattformen könnten Algorithmen zunehmend extremere Inhalte verbreiten. Psychisch anfällige Menschen würden sich daraus mitunter eigene Weltbilder zusammenstellen, in denen sich sogar widersprüchliche politische Ideen vermischen.

Deshalb hält Neumann auch die Frage für wichtig, ob im Fall des Krakauer Attentäters noch ein Manifest auftauchen wird, das Rückschlüsse auf dessen Motive zulässt.

Für den Terror-Experten steht jedenfalls die extreme Gewaltbereitschaft des Angreifers im Vordergrund. Er ist überzeugt, dass der Täter noch mehr Menschen töten wollte. Die Faszination für Gewalt könnte in diesem Fall sogar eine größere Rolle gespielt haben als eine politische Ideologie.

red, Akt. 08.11.2026, 22:11, 08.11.2026, 22:09
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