Sie gehören zu New York wie das Empire State Building oder die Brooklyn Bridge: die sogenannten "Bodegas". Über 10.000 dieser kleinen Eckläden gibt es in den Wohnvierteln der Millionenmetropole. In etwa 2.500 von ihnen hüten Katzen die Ladentheke, wenn der Besitzer zwischen den Regalreihen verschwindet.
Das Problem: Aus hygienischen Gründen sind Katzen in Lebensmittelgeschäften verboten. Bei Kontrollen drohen Strafen von 200 bis 350 Dollar. Damit die kultigen "Bodega Cats" nicht aus dem Stadtbild verschwinden, haben New Yorker eine Petition gestartet.
Fast 14.000 Menschen haben die Petition bislang unterzeichnet. Initiiert wurde sie vom Fotografen Don Rimada, der viele der "Bodega Cats" porträtiert und ihre Bilder auf Instagram veröffentlicht (@newyorkbodegacats). Er sieht in ihnen eine Art Kulturgut seiner Stadt. "Diese Katzen sind in den Stoff von New York City verwoben und das ist eine wichtige Geschichte, die es zu erzählen gilt", sagt er.
So wie jene von Ladenbesitzer Austin Moreno in Manhattan. Zwischen seinen Regalreihen und Kühlschränken lebt "Simba", ein stattlicher, weiß-orangefarbener Kater. "Simba ist sehr wichtig für uns, weil er den Laden frei von Mäusen hält", erzählt Moreno. Und er ist ein Kundenmagnet. "Es kommen oft Leute rein, um ihn zu besuchen und zu fragen, wie er heißt", sagt er. "Neulich haben ein paar Mädchen ihn zum ersten Mal gesehen und jetzt kommen sie jeden Tag."
Der öffentliche Druck blieb nicht folgenlos: Der New Yorker Stadtrat Keith Powers brachte einen Gesetzesentwurf ein, der Ladenbesitzer vor Strafen schützen und die Haltung der Katzen unter bestimmten Bedingungen erlauben soll. Außerdem sind kostenlose Impfungen und Kastrationen der Katzen vorgesehen.
Doch nicht alle begrüßen die Initiative. Tierschützer warnen, dass längst nicht jede Ladenkatze so gut versorgt werde wie die Vorzeige-Tiere in sozialen Netzwerken. Immer wieder gebe es Fälle, in denen Katzen ohne ausreichend Futter gehalten oder bei Krankheit nicht tierärztlich behandelt würden.
Becky Wisdom, die in New York verwahrloste Katzen rettet, warnt, mit einer Abschaffung der Strafen für die Haltung von "Bodega Cats" gehe ein "Hebel" verloren, Ladenbesitzer dazu zu bewegen, sich besser um die Tiere zu kümmern.
Tierrechtlerin Linda Rosenthal fordert einen umfassenden Ansatz. Die Abgeordnete im Senat des Bundesstaates New York fordert, dass die Regelungen für Laden-Katzen Teil eines umfassenderen Tierschutzkonzepts sein sollten, das auch dem Problem begegnet, dass in New York zahlreiche verwahrloste Katzen leben.
"Statt sich auf eine Untergruppe von Katzen zu konzentrieren, muss die Stadt ernsthaft investieren, also Dutzende Millionen Dollar pro Jahr, in die Kastration, Sterilisation und tierärztliche Behandlung", sagt die Tierschützerin.