Laut dem neuen Friedensplan, der zwischen Washington und Moskau ohne Kiew ausgehandelt wurde, müsse das angegriffene Land den Russen massive Zugeständnisse machen. Demnach erhält Russland die Krim und den gesamten Donbass. Zudem müsse die ukrainische Armee stark reduziert werden.
Auch auf reichweitenstarke Waffen müsste Kiew verzichten. Zu einer Stationierung von ausländischen Friedenstruppen soll es auch nicht kommen. Für den deutschen Kanzleramtschef Thorsten Frei wirke dies, als würde Wladimir Putin versuchen, seine Kriegsziele durch die Hintertür zu erreichen.
Laut Einschätzung der "New York Times" könnte Russland den Donbass nämlich erst in vier Jahren erobern, sollte die Invasion im aktuellen Tempo fortgesetzt werden. Der Vorschlag wäre "nicht akzeptabel", so Frei gegenüber "n-tv.de". Außerdem sei der Friedensvorschlag nicht glaubwürdig, da Russland gerade seine stärksten Angriffe gegen die Ukraine fährt, die nicht gegen militärische Ziele gerichtet seien.
Seitens der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas wird bemängelt, dass die Ukraine nicht in die Verhandlungen einbezogen wurde. Ihr zufolge müssten Kiew und Europa bei den Gesprächen an Bord sein. Auch von Zugeständnissen gegenüber der Ukraine sei in den Plänen nichts zu lesen, so Kallas.
Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) sieht in den durchgesickerten Plänen ein Ungleichgewicht zu Gunsten Russlands. Ebenso kritisch sieht die Lage der polnische Außenminister Radosław Sikorski. Er hoffe, dass nicht dem Opfer, sondern dem Aggressor Beschränkungen seiner Verteidigungsfähigkeit auferlegt werden.
Dem französischen Außenminister Jean-Noël Barrot zufolge würden die Ukrainer keine Kapitulation wollen. Sein spanischer Amtskollege José Manuel Albares sieht die Notwendigkeit, dass die Existenz eines souveränen und demokratischen ukrainischen Staates garantiert werden müsse. Dafür sollen Kiew und die EU in Pläne einbezogen werden.