Nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi platzte die Formel-1-Bombe. Helmut Marko, der langjährige Motorsport-Berater von Red Bull, der einst den Energydrink-Riesen mit dessen Gründer Dietrich Mateschitz gemeinsam in die Motorsport-"Königsklasse" geführt hatte, erklärte seinen vorzeitigen Abschied. Markos Vertrag wäre eigentlich noch für 2026 gelaufen, der Grazer entschied sich aber bereits jetzt zum Rückzug. Zu schmerzhaft sei der hauchdünn verpasste fünfte WM-Titel für Max Verstappen gewesen – am Ende fehlten zwei Punkte auf McLaren-Star Lando Norris. Dafür machte sich letztendlich auch Marko mitverantwortlich. Red Bull habe Star-Fahrer Verstappen vor allem zu Saisonbeginn kein konkurrenzfähiges Auto zur Verfügung stellen können.
Marko war 21 Jahre lang für Red Bulls Formel-1-Programm tätig, brachte 17 Piloten in die Motorsport-"Königsklass" – darunter Stars wie Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo und nicht zuletzt Verstappen, galt als Mentor und Förderer des Niederländers. Er führte das Team zu acht Fahrer- und sechs Konstrukteurs-WM-Titel. Marko setzte sich im teaminternen Machtkampf gegen Ex-Teamchef Christian Horner durch, gegen den er nun verbal nachgetreten hatte.
"Ich verstehe natürlich seinen Frust. Es hat sich viel verändert. Helmut war immer stark mit Max Verstappen verbunden", meinte der "Sky"-Experte Ralf Schumacher im Podcast "Backstage Boxengasse". Horner habe das Team "förmlich zerrissen". "Was da passiert ist, hat man ja gesehen. Red Bull hat sich ja Richtung Mittelmäßigkeit gekämpft. Eine Zeit lang ging gar nichts mehr", analysierte der ehemalige Formel-1-Pilot. Letztendlich habe der Brite den Hut nehmen müssen, Laurent Mekies übernahm, schaffte die Trendwende.
Die teils deutliche Kritik an Horner sei zwar "nicht ganz elegant" gewesen, wie Schumacher meinte, gleichzeitig betonte der 50-Jährige: "Aber recht hat er."
Zu Markos Abschied hatten sich Meldungen gehäuft, dass sich der 82-Jährige den Unmut der Bullen-Führung rund um CEO Oliver Mintzlaff zugezogen haben soll. Marko habe eigenmächtig Fahrerentscheidungen getroffen, etwa die Verpflichtung von Ex-McLaren-Nachwuchsfahrer Alex Dunne, diese aber nicht mit der Führungsetage besprochen. Deshalb sollen dem Grazer auch Vollmachten für Unterschriften entzogen worden sein. Auch Markos umstrittene Aussagen über Mercedes-Pilot Andrea Kimi Antonelli nach dem Grand Prix von Katar hatten ihres dazu beigetragen.
"Helmut hat eine spezielle Art und Weise – im Team und auch im Umgang mit jungen Fahrern. Das ist nicht jedermanns Sache. Jetzt wird das Team neu aufgestellt, Mekies übernimmt das", analysierte Schumacher. Der Franzose und Star-Pilot Verstappen seien nun "irgendwie eine Einheit geworden, haben den Karren aus dem Dreck gezogen. Helmut Marko hat ein bisschen seine Position verloren, weil die da so nicht mehr gebraucht wird."
"Aber uns tut es leid, weil wir seine ehrliche und offene Art schätzen. Und er fällt ja weich", schmunzelte der Deutsche dann. Marko soll eine Abfindung von rund zehn Millionen Euro erhalten – das entspricht etwa dem Jahresgehalt des Grazers für 2026.