Ausgerechnet am heutigen Equal Pay Day sorgt eine steirische Gemeinde für eine Überraschung: Während Frauen in nahezu allen Gemeinden des Bundeslandes weniger verdienen als Männer, ist es in Edelschrott genau umgekehrt. Das zeigt eine Auswertung, über die die "Kleine Zeitung" berichtet.
Warum das ausgerechnet dort so ist, bleibt allerdings ein Rätsel. "Zufall", vermutet Bernadette Pöcheim von der steirischen Arbeiterkammer in der Kleinen Zeitung. Die Gemeinde dürfte ein statistischer Ausreißer sein.
Wie groß die Gehaltsunterschiede in Österreich sind, zeigt der heutige Equal Pay Day (5. November). Ab diesem Tag arbeiten Frauen bis zum Jahresende rechnerisch 57 Tage "gratis". Denn während Männer bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung durchschnittlich 67.988 Euro brutto verdienen, sind es bei Frauen nur 57.446 Euro. Das macht einen Unterschied von 10.542 Euro oder 15,5 Prozent pro Jahr.
Am geringsten fällt der Unterschied in Wien aus. Hier verdienen Männer im Schnitt 69.451 Euro brutto jährlich, Frauen kommen auf 62.112 Euro. Damit fehlen ihnen 7.339 Euro beziehungsweise 10,6 Prozent. Der Equal Pay Day fällt in der Bundeshauptstadt deshalb erst auf den 23. November.
Ein Grund für die Einkommensunterschiede ist laut Arbeiterkammer und Gewerkschaft die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit. Kinderbetreuung, Haushalt und Pflege von Angehörigen bleiben häufig an Frauen hängen, auch wenn sie Vollzeit arbeiten.
Die Wiener Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) fordert deshalb mehr Offenheit bei Gehältern. "Deswegen ist die Lohntransparenz das Gebot der Stunde! Unser aller Ziel muss deshalb unmissverständlich heißen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", betont sie.
Auch AK-Präsidentin Renate Anderl und ÖGB-Frauenvorsitzende Sandra Steiner drängen auf eine rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenz-Richtlinie. Diese soll Gehaltsunterschiede sichtbarer machen. Steiner fordert zudem mehr Kinderbetreuungsplätze, damit Frauen bessere berufliche Möglichkeiten haben.