Mit einem ungewöhnlichen Preisvergleich sorgten die Wiener Linien kürzlich für Kritik – wir berichteten. Die Aktion ging nach hinten los: In einer Online-Kampagne wurden die neuen Öffi-Preise unter anderem mit einem österreichischen Luxusbrot in New York und einem Brickerl-Eis verglichen. Nach rund einer Stunde verschwand die Kampagne wieder.
Unter dem Motto "Was die Tarifanpassung wirklich kostet" stellten die Wiener Linien die Preisänderungen alltäglichen beziehungsweise ungewöhnlich teuren Produkten gegenüber. So wurde die Anpassung bei der Jahreskarte mit einem Drittel eines "RYE"-Brotes in New York (wir berichteten) verglichen, jene beim digitalen 24-Stunden-Ticket mit einem Drittel eines Brickerl-Eis.
Bei den Wiener Grünen sorgt die Aktion für Empörung. Gerade angesichts steigender Lebenshaltungskosten sei ein solcher Vergleich völlig unangebracht. "Immer mehr Menschen in dem Land müssen auch beim Broteinkauf zuerst die Angebote durchblättern. Und die Wiener Linien machen Witze über ein Luxusbrot in New York, während die Öffi-Preise zum zweiten Mal in Folge steigen. Das ist nicht lustig, das ist respektlos gegenüber allen, die jeden Tag zur Arbeit pendeln und trotzdem jeden Euro umdrehen müssen", heißt es in der Kritik der Grünen.
"In der SPÖ winkt man die Erhöhungen einfach durch. Dort scheint die Haltung zu herrschen: 'Das sind ja nur ein paar Euro mehr.' Für eine Familie, eine Pflegerin oder einen Lehrling sind das aber keine paar Euro, sondern der Unterschied dazwischen, ob sich am Monatsende noch der Lebensmitteleinkauf ausgeht."
Als Konsequenz fordern die Grünen eine Preisbremse für öffentliche Verkehrsmittel. Die Öffis müssten auch für Menschen leistbar bleiben, die täglich darauf angewiesen sind. "Dafür werden wir weiter Druck machen, bei der Regierung und bei der SPÖ", heißt es.
Hintergrund ist die nächste Tariferhöhung der Wiener Linien. Ab 1. Jänner 2027 kostet die reguläre Jahreskarte bei Einmalzahlung 483,10 Euro statt bisher 467 Euro. Das entspricht einem Plus von 16,10 Euro. Auch Einzelfahrscheine und 24-Stunden-Tickets werden teurer. Die Wiener Linien begründen die jährlichen Anpassungen mit der Inflation und dem Ziel, größere Preissprünge zu vermeiden.
"Wir wollten mit diesem Posting grafisch darstellen, wie günstig die Wiener Öffis auch nach der notwendigen Tarifanpassung sind", so ein Sprecher der Wiener Linien. "Auch der internationale Vergleich zeigt: Wien hat nicht nur eines der besten, sondern auch eines der günstigsten Öffi-Netze." Der Versuch hat aber offenbar nicht funktioniert, deshalb wurde er wieder gelöscht.