Der Sturz von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro durch einen US-Militärschlag hat in Russland Alarm ausgelöst. Nicht nur der Verlust eines politischen Verbündeten wiegt schwer. In Moskau wächst die Sorge, dass Washington nun den Ölpreis gezielt unter Druck setzt – mit gravierenden Folgen für die russische Wirtschaft und den Kreml.
Russische Energieexperten warnen, dass die Ölstrategie von US-Präsident Donald Trump Russland hart treffen könnte. Venezuela verfügt über die größten Erdölreserven der Welt, exportiert bislang aber vergleichsweise wenig. Der marode Staatskonzern PDVSA und jahrelange US-Sanktionen bremsten die Förderung. Nun könnten US-Konzerne einspringen. Trump machte seine Absichten klar: "Wir werden unsere sehr großen Ölkonzerne (…) ins Land schicken."
Öl- und Gaseinnahmen sind für Russland entscheidend. Sie finanzieren Pensionen, Beamtengehälter und den Krieg. Das Finanzministerium kalkulierte für 2026 mit 59 Dollar pro Barrel Urals-Öl, zuletzt lag der Preis jedoch bei etwa 50 Dollar. Ein weiterer Rückgang würde den Staatshaushalt massiv unter Druck setzen, wie unter anderem die "Bild" berichtet.
Schon vor dem Sturz Maduros warnte Energieexperte Igor Juschkow auf "finance.mail.ru": "Für uns ist es wirtschaftlich und politisch wichtig, dass Maduro standhaft bleibt." Der "Worst Case" sei ein schneller Machtwechsel, da US-Unternehmen dann die Förderung in Venezuela hochfahren könnten. Das würde die Preise drücken und andere Förderländer zu höheren Mengen bewegen.
Zudem sieht Juschkow eine gefährliche Signalwirkung: "Wenn es möglich ist, ein Land zu destabilisieren und sein politisches Regime zu stürzen, indem man die Exporte reduziert, ist dies ein Signal an die Amerikaner und Europäer, zu bedenken, dass dasselbe auch Russland passieren könnte."
Auch Analyst Sergej Suwerow erwartet sinkende Ölpreise. Im Magazin "Argumenti i Fakti" erklärte er, neue Fördermengen aus Venezuela könnten den Weltmarkt jahrelang beeinflussen: "In den nächsten zwei bis drei Jahren wird ihnen dies ermöglichen, ihre Lieferungen auf dem Weltmarkt deutlich zu steigern." Für Russland bedeute dies weitere Einnahmeverluste sowie den Ausfall milliardenschwerer Kredite an das Maduro-Regime.
Der Oligarch Oleg Deripaska warnte auf Telegram, die USA könnten venezolanisches Öl nutzen, um den "Preis für unser Öl nicht über 50 US-Dollar pro Barrel" steigen zu lassen. Das setze den Kreml unter Druck, Kosten zu senken, Vermögen zu verkaufen oder die Wirtschaft stärker zu belasten – weil die Amerikaner "mehr als die Hälfte der weltweiten Erdölreserven kontrollieren".