Insiderin packt aus

1.000 Dollar für 28 Tage in Chinas "Fett-Gefängnis"

Elektrischer Zaun, hohe Mauern, Drill, Diät – in China boomen sogenannte "Fettgefängnisse". Eine Frau zeigt, wie hart es dort wirklich zugeht.
Nick Wolfinger
04.01.2026, 18:41
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Mit dem Wohlstand kommen die Kilos. Das merken auch immer mehr Chinesen. Hatte das "Reich der Mitte" noch vor wenigen Jahrzehnten eine Hungersnot erlebt, droht dem Land nun das gegenteilige Problem.

Laut nationaler Gesundheitskommission waren 2020 bereits mehr als die Hälfte der Erwachsenen übergewichtig. Bis 2030 könnte dieser Anteil auf fast zwei Drittel steigen, warnte der zuständige Minister, Lei Haichao, bei einer Pressekonferenz am Rande des chinesischen Volkskongresses im März.

Übergewicht nationale Herausforderung

Das Problem dabei: Chronische Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen lassen die Gesundheitsausgaben in die Höhe schnellen, verringern Lebenserwartung und Produktivität. Und das in einer Phase, in der dem Land wegen der jahrzehntelangen Ein-Kind-Politik die Arbeitskräfte auszugehen drohen, die die Versorgung der alternden Bevölkerung finanzieren sollten.

Ein Bündel an Maßnahmen soll die Entwicklung stoppen oder zumindest bremsen. Dazu gehört: Mehr Sport in den Schulen, verpflichtende Aufklärungsgespräche durch Ärzte und medizinisches Personal bei Arzt- und Krankenhausbesuchen und sogar: Waagen in allen Hotelzimmern des Landes, damit man auch auf Reisen sein Gewicht im Auge behält.

"Fett-Camp" als Ausweg

Einen direkteren Ansatz verfolgen dagegen Chinas "Fett-Camps", die wie ihre US-Vorbilder mit Bootcamp-artigen Methoden, also mit Drill, Disziplin und der Drohung von Strafen, die Kilos purzeln lassen sollen. Auf freiwilliger Basis, versteht sich.

Wer keine Geduld für monatelange Diäten, Ernährungs- oder Fitnessprogramme hat, ist dort genau richtig. Umgerechnet rund 1.000 US-Dollar, also 850 Euro, kostet ein 28-tägiges "Fett-weg"-Programm in einem dieser "Lager".

Essen besser als im Knast

Auch Ausländer zählen zur Zielgruppe. Eine 28-jährige Australierin, die sich Anfang Dezember für rund 1.000 Dollar für ein vierwöchiges Programm eingeschrieben hat, gibt nun Einblicke hinter die Mauern eines dieser "Lager", das die junge Frau zugespitzt als "Fett-Gefängnis" bezeichnet.

Ihre Videos auf Instagram zeigen einen knallharten Alltag: 19 Kurse pro Woche, täglich vier Stunden Training, Frühstück mit Brot, Tomaten, Gurken und Eiern. Mittagessen ist das Highlight – da gibt's immerhin Ente, Gemüse und Banane.

Betonmauern und elektrischer Zaun

Die Teilnehmer dürfen das Gelände nur mit triftigem Grund verlassen. Betonmauern, Stahltore, elektrische Zäune und Sicherheitskräfte sorgen dafür, dass niemand einfach so abhaut. "Aufgeben ist keine Option", heißt es im Camp. Belohnt wird mit Freizeit ab 19.40 Uhr und einem freien Sonntag – zumindest bis zum abendlichen Spinning-Kurs unter Stroboskoplicht.

Die Unterkünfte sind spartanisch, aber zweckmäßig: Hochdruckduschen, Hocktoiletten und Etagenbetten mit eigenem Schreibtisch. Die Australierin berichtet, dass sie in zwei Wochen 4 Kilo verloren hat und trotz Schmerzen und Frühaufstehen zufrieden ist: "Alle sind nett, weil wir alle das gleiche Ziel haben: Fett verlieren!"

Kritik gibt's trotzdem: Einige User zweifeln an der Effektivität. "8 Pfund in 14 Tagen sind nicht viel", meint ein Kommentator. Andere loben den Mut der Teilnehmer.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 04.01.2026, 18:41
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