Fettfalle

Warum wir im Winter schneller zunehmen

Die Art der aufgenommenen Fettsäuren beeinflusst, wie der Körper im Winter Fett speichert oder verbrennt, zeigt eine neue Studie.
Heute Life
27.12.2025, 15:50
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Gerade Mürbteigkekse wie Vanillekipferl oder Linzer Augen, die zu den beliebtesten Klassikern zu Weihnachten zählen, können durch ihre Mischung aus Mehl, Fett und Zucker schnell dafür sorgen, dass die Waage ein paar Kilo mehr anzeigt. Selbst wenn du bei Weihnachtsbäckerei und Festtagsbraten eher zurückhaltend bist, passiert es im Winter oft, dass sich ein, zwei Kilo schneller ansammeln als sonst im Jahr. US-Forscherinnen und Forscher von der Universität San Francisco sind diesem Phänomen nun auf den Grund gegangen.

In einer aktuellen Studie, veröffentlicht im Fachjournal "Science Translational Medicine", wurde untersucht, wie sich hochfette Ernährung – vor allem mit vielen gesättigten Fettsäuren, wie sie in Fleisch, Käse, Butter, Schlagobers oder verarbeiteten Lebensmitteln wie Palmkernfett vorkommen – auf den Körper auswirkt. Mäuse, die das ganze Jahr über so gefüttert wurden, hatten Schwierigkeiten, sich an den Winterrhythmus anzupassen.

Eigentlich sollten Mäuse, die nachtaktiv sind, im Winter – wenn die Nächte länger werden – mehr Zeit im Laufrad verbringen. Die Tiere, die jedoch ständig viele gesättigte Fette fraßen, wachten erst Stunden nach Einbruch der Dunkelheit auf und bewegten sich weniger. Sie verbrannten also weniger Energie als ihre Artgenossen, die fett- und kalorienärmer oder mit mehr ungesättigten Fettsäuren (wie sie in Nüssen und Samen stecken) gefüttert wurden.

Fettsäuren beeinflussen Protein für Fettstoffwechsel

Das Team rund um den Neurologen Louis Ptacek fand heraus, dass Fettsäuren ein bestimmtes Protein namens PERIOD2 (PER2) beeinflussen. Dieses Protein spielt im Gehirn – genauer gesagt im Hypothalamus – eine wichtige Rolle beim Steuern der inneren Uhr und des Fettstoffwechsels. Je nachdem, wie viel gesättigte oder ungesättigte Fette du isst, kann PER2 dem Körper signalisieren, ob Fett eingelagert oder verbrannt werden soll.

Die Funktion von PER2 dürfte eng mit dem Jahreszyklus von Pflanzen zusammenhängen. Laut den Forschenden bilden viele Pflanzen im Frühling und Sommer mehr gesättigte Fettsäuren, die dann von Tieren aufgenommen werden. In dieser Zeit sorgt PER2 dafür, dass Energie für den Winter gespeichert wird. Im Herbst, wenn das Futter knapper wird, verändert sich die Zusammensetzung der Fettsäuren in den Pflanzen: Sie produzieren mehr ungesättigte Fette, damit ihre Zellmembranen auch bei Kälte geschmeidig bleiben. Das dürfte für PER2 der Startschuss sein, den Körper auf den Winter umzustellen – also Fettreserven zu nutzen und weniger neues Fett einzulagern.

"Man vermutet, dass sich Säugetiere, die Blätter, Früchte und Samen essen, diesem jahreszeitlichen Zyklus der Pflanzen evolutionär angepasst haben", erklärt Felix Sternberg vom Institut für Ernährungswissenschaften der Uni Wien. Er war zwar nicht an der Studie beteiligt, findet die Ergebnisse aber "wirklich spannend", wie er gegenüber ORF Wissen sagt.
Zwar lässt sich das Mausmodell nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen, weil wir durch künstliches Licht und ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln kaum noch saisonal geprägt sind, trotzdem kann man einiges daraus lernen.

Wichtigkeit der ungesättigten Fettsäuren

Es ist schon länger bekannt, dass ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3, das etwa in Lachs, Hering, Makrele, aber auch in Leinöl oder Walnüssen steckt, viele Vorteile für die Gesundheit bringen. "Sie werden u.a. als antientzündlich und das Immunsystem regulierend diskutiert", so Sternberg. "Spekuliert wird auch, dass sie das Demenzrisiko und den Blutzucker senken sollen." Der Zusammenhang, dass ungesättigte Fette auch über die innere Uhr auf unsere Gesundheit wirken könnten, ist allerdings neu.

Die Studie aus den USA zeigt einmal mehr, wie wichtig das Verhältnis von ungesättigten zu gesättigten Fettsäuren in der Ernährung ist. Ungesättigte Fette sollten überwiegen, besonders auf ausreichend Omega-3 sollte geachtet werden.

"Diese Studie zeigt weiter, dass Säugetiere wie Mäuse offenbar davon profitieren, wenn Pflanzen im Winter ihre Zellmembranen durch ungesättigte Fettsäuren beweglich halten. Das dürfte auch erklären, warum ungesättigte und pflanzliche Fette für uns Menschen so gesund sind: Unsere Zellmembranen bleiben geschmeidig, was das ganze Jahr über positive Effekte hat", sagt Sternberg. Tierisches Fett will er aber nicht verteufeln: "Fett per se ist ein Geschmacksträger, ein sehr effizienter Energielieferant und ganz essenziell für unseren Körper." Butter zum Beispiel sei zu Unrecht in Verruf geraten. "Butter hat ein sehr breites Fettsäureprofil. Sie enthält u.a. mittelkettige gesättigte Fettsäuren, die sehr viele positive Effekte auf den Körper haben können."

Was heißt das für Weihnachten und Kekse?

Was heißt das für Weihnachten und Kekse? "Man könnte zum Beispiel Vanillekipferl mit Walnüssen machen. Oder man bevorzugt – wenn man schon Kekse isst – die mit Nüssen, mit den guten Fetten", rät Sternberg. "Damit erreicht man schon eine Verschiebung in Richtung der mehrfach ungesättigten Fettsäuren." Vielleicht können sie dem Körper sogar signalisieren, dass jetzt Winter ist und er das zugeführte Fett eher verbrennen und nicht einlagern soll – das müsse aber noch genauer erforscht werden.

Fest steht: Während der Feiertage auf das eine oder andere Keks zu verzichten, tut der Gesundheit – und dem Gewicht – mit Sicherheit gut.

{title && {title} } red, {title && {title} } 27.12.2025, 15:50
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