"Täglich Sex hinter der Bühne"

Österreicher geht auf Messe – dann ändert sich alles

Marcello Bravo stand kurz vor dem Durchbruch bei Rapid – heute zählt der Niederösterreicher zu den bekanntesten Gesichtern der Erotik-Branche.
André Wilding
11.02.2026, 05:09
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Sein Weg hätte kaum ungewöhnlicher sein können. Marcello Bravo, geboren in Mödling, probierte sich jahrelang in völlig unterschiedlichen Jobs aus: als Mechaniker, Stripper, Akrobat und Darsteller in Live-Sex-Shows. Alles mit voller Leidenschaft. Doch seine erste große Liebe galt dem Fußball.

"Ich war schon immer sport-verrückt", erzählt Bravo. Über 15 Jahre spielte er Fußball, zwei davon sogar beim SK Rapid Wien. Ein Profivertrag lag in Reichweite, doch dann kam die Ernüchterung. "Ich habe zwei Jahre für sie gespielt, aber in dieser Zeit ging es in der Fußballbranche immer nur darum, wen man kennt und wem man in den Hintern kriechen muss, und deshalb habe ich meine Karriere beendet."

Wendepunkt mit 25 Jahren

Statt am Rasen suchte Bravo neue Bühnen – und fand sie. Zunächst absolvierte er auf Rat seines Vaters eine Lehre als Mechaniker und Elektrotechniker. "In der Nähe unserer Wohnung gab es eine Werkstatt für Mechanik und Elektrotechnik, und ich fragte dort nach, ob sie Lehrlinge bräuchten. Sie sagten zu", erinnert er sich. Vier Jahre später hatte er seinen Abschluss, doch erfüllt habe ihn dieser Weg nicht.

Der Wendepunkt kam mit 25 Jahren. Bravo begann als Stripper zu arbeiten, um sich etwas dazuzuverdienen – und merkte schnell, welches Potenzial darin steckte. "Innerhalb kurzer Zeit gehörte ich mit meinen speziellen Showeinlagen, Geschichten und Kostümen zu den besten Striptease-Tänzern Europas." Er besuchte sogar eine Zirkusschule, lernte Luftakrobatik, Feuershows und Jonglage. Seine Auftritte führten ihn quer durch Europa, oft vor Tausenden Zuschauern.

Parallel baute er sich eine eigene Erotikagentur auf und begann, Shows zu schneiden, Musik zu komponieren und Choreografien zu entwerfen. "Das war der Beginn meiner Karriere als Cutter." Auf Erotikmessen kam er erstmals intensiver mit der Pornoindustrie in Kontakt. "Für mich als nymphomanischen Stripper, der Sex liebt, war es wie im Paradies."

"Habe alles mitgenommen, was ich kriegen konnte"

"Manchmal hatte ich auf den Messen fünfmal am Tag Sex, weil es so viele Mädchen gab und ich als Stripperin, sagen wir mal, der Hahn im Korb war und alles mitgenommen habe, was ich kriegen konnte."

Für Bravo ergab das alles plötzlich Sinn, denn er gibt zu, dass er schon als Teenager merkte, dass sein bestes Stück größer war als das vieler anderer, "und wenn ich anfange zu masturbieren, bekomme ich nie genug." Doch während einer seiner Messeauftritte änderte sich alles.

"Eines Tages fragte mich der Besitzer einer großen Erotikmesse, ob ich Lust hätte, Live-Sexshows auf der Bühne zu machen, weil er gesehen hatte, dass ich täglich hinter der Bühne mit mehreren Frauen schlief – von Pornostars über Besucherinnen bis hin zu Kolleginnen. Und ich stimmte zu und sagte: Warum nicht Sex gegen Geld? Ich liebe es."

Es folgten die ersten Live-Sex-Shows auf der Bühne, später Angebote für Pornoproduktionen. Ein erstes Engagement in Deutschland lehnte Bravo ab, die Qualität überzeugte ihn nicht. Der entscheidende Schritt kam 2012 auf der Venus Berlin, als er Little Caprice kennenlernte. "Wir waren von Anfang an auf einer Wellenlänge, wurden ein Paar, zogen zusammen und alles war perfekt – bis heute, nach 13 Jahren."

"Haben fantastische Szenen gedreht"

Nach einem Fünfjahresvertrag bei der damaligen Weltmarktführer-Firma X-Art gründeten die beiden ihr eigenes Studio: Little Caprice Dreams. Heute ist Bravo nicht nur Darsteller, sondern Produzent, Regisseur, Kameramann, Cutter, Marketingstratege und Ideengeber in Personalunion. Pro Jahr dreht er nach eigenen Angaben zwischen 70 und 100 Szenen.

Im Video: Wiener Traumpaar räumt bei Porno-"Oscars" ab

"Ich trete so oft wie möglich auf, hauptsächlich für LittleCaprice-Dreams.com, weil wir so viel Arbeit haben", sagt er. Für große Fremdproduktionen fehle aktuell schlicht die Zeit. Der Erfolg gibt dem Paar recht. Allein im Vorjahr erhielt Little Caprice Dreams 13 Nominierungen für die AVN Awards 2025. "2024 war ein richtig gutes Jahr für uns. Wir haben fantastische Szenen gedreht und sind mit allen Ergebnissen überaus zufrieden", so Bravo.

Im Jahr 2026 dann der bisherige Höhepunkt! Marcello Bravo und seine Ehefrau Little Caprice gehörten bei den AVN Awards – sie gelten als die "Oscars" der Porno-Branche, mit insgesamt vier Auszeichnungen zu den erfolgreichsten Stars des Abends. Besonders emotional war der Abend für Marcello Bravo. Der Österreicher gewann erstmals den Titel "International Male Performer of the Year" und erreichte damit einen Meilenstein seiner Karriere.

"Alles ist möglich und ich werde niemals aufgeben"

Auch Little Caprice selbst spart nicht mit Lob für ihren Mann. "Eigentlich ist er der wichtigste Teil unserer Produktion", sagt sie. "Weil er schon immer ein Workaholic war und seit ich ihn kenne, immer alles gegeben hat." Seine Lernkurve sei außergewöhnlich, betont sie: "Er hatte vorher keinerlei Erfahrung im Kamerabereich, im Schnitt, in der Postproduktion – nichts dergleichen. Und er versucht ständig, besser zu werden."

Marcello Bravo und Little Caprice

Instagram: Marcello Bravo

Instagram: Little Caprice

Instagram: Little Caprice Inside

Instagram: LITTLECAPRICE-DREAMS

OnlyFans: Little Caprice

Trotz Auszeichnungen und internationalem Erfolg ist Bravos Ehrgeiz ungebrochen. "Ich bin ein Mann, der klar sagt, was er will und was nicht, und ich würde niemals etwas tun, was ich nicht mag, nur um erfolgreich zu sein", sagt er. Sein Blick geht nach vorne: "Alles ist möglich und ich werde niemals aufgeben."

Vom Beinahe-Rapid-Profi zum gefeierten Pornostar – Marcello Bravo hat seinen eigenen Weg gewählt und ist damit weiter gekommen, als es sich viele je hätten vorstellen können.

{title && {title} } wil, {title && {title} } 11.02.2026, 05:09
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