Spur des Geldes

Österreicher in Nigeria – Details zum Millionen-Deal

Ein Vorarlberger Unternehmer wurde mit 1,4 Millionen Euro in Nigeria gestoppt. Neue Recherchen zeigen nun, wie das Bargeld entstanden sein soll.
Christoph Weichsler
19.01.2026, 06:00
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Ein Koffer voller Bargeld, eine Kontrolle am Flughafen und plötzlich saß ein Österreicher in Lagos im Häf’n. Was zunächst wie ein spektakulärer Einzelvorfall wirkt, entpuppt sich als Teil eines größeren Geflechts. Der Fall eines Vorarlberger Unternehmers, der mit umgerechnet 1,4 Millionen Euro Nigeria verlassen wollte, wirft Fragen auf – und liefert nun erste Antworten.

Denn neue Recherchen zeichnen das Bild eines Systems, das offenbar über Jahre funktioniert haben soll. Es geht um Textilien aus Vorarlberg, Bargeschäfte in Nigeria – und um den Versuch, Kontrollen zu umgehen.

Verkauf fernab offizieller Wege

Wie "Vorarlberg Online" berichtet, soll das Geld aus dem Verkauf von Stickereien aus Vorarlberg stammen, die nach Nigeria gebracht und dort nicht regulär, sondern auf dem Schwarzmarkt verkauft worden sein sollen. Ziel sei gewesen, zollrechtliche Bestimmungen und Abgaben zu umgehen.

Die Ware sei per Frachtflugzeug nach Nigeria gelangt und an einer Sammelstelle gelagert worden. Von dort habe ein Mittelsmann die Textilien ausschließlich gegen Bargeld verkauft. Die Einnahmen seien gesammelt, in Euro und US-Dollar gewechselt und schließlich an den Unternehmer aus Lustenau übergeben worden.

Bargeld statt Bankweg

Der so eingesammelte Betrag soll sich auf rund 1,4 Millionen Euro belaufen haben. Eine Überweisung nach Österreich wäre nur mit umfangreichen Deklarationen möglich gewesen. Genau das wollte man offenbar vermeiden.

Der Plan: Das Bargeld persönlich außer Landes bringen. Am 13. Dezember 2025 wollte der Unternehmer von Lagos weiter nach Dubai reisen. Doch bei einer Kontrolle am Flughafen Murtala Muhammed wurde der Koffer geöffnet – und die Masche flog auf. Zollbeamte stellten 800.575 US-Dollar und 651.505 Euro sicher.

Die "1-Prozent-Regel"

Brisant ist ein weiteres Detail, über das der "Standard" berichtet. Demnach sei es im Textilgeschäft gängig, einem Mittelsmann in Lagos rund ein Prozent der Bargeldsumme zu zahlen, damit es bei der Ausreise zu keinen Problemen komme. Diese Zahlung habe offenbar dazu dienen sollen, Kontrollen zu vermeiden.

Im aktuellen Fall soll diese Absicherung entweder nicht erfolgt oder gescheitert sein. Das Bargeld war weder deklariert noch geschützt – und führte direkt zur Festnahme. In Nigeria besteht bereits ab 5.000 US-Dollar Deklarationspflicht für Fremdwährungen.

Annahme mit fatalen Folgen

Laut der Quelle ging der Unternehmer offenbar davon aus, als Business-Class-Reisender weniger genau kontrolliert zu werden. Ein Irrtum. Statt Durchwinken folgte die Festnahme wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Der Vorarlberger wurde in Nigeria angeklagt und bekannte sich vor Gericht nicht schuldig. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Verfahren läuft weiter

Über einen Antrag auf Freilassung gegen Kaution sollte am 16. Jänner entschieden werden. Bis dahin blieb der Mann in Haft. Das Außenministerium bestätigte, dass die Botschaft in Abuja konsularische Unterstützung leistet.

Auch in Österreich beschäftigt der Fall mittlerweile Behörden. Bei der Staatsanwaltschaft Feldkirch liegt ein Akt an. Ob daraus weitere Ermittlungen entstehen, ist offen.

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