Seit 16 Jahren regiert Viktor Orbán in Ungarn. Unter seiner Führung hat Korruption offenbar freien Lauf, das Land stürzt im Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) kontinuierlich ab.
"Dies spiegelt eine seit einem Jahrzehnt andauernde strukturelle Schwächung der Integritätsmechanismen wider, die durch demokratische Rückschritte, Konflikte, institutionelle Fragilität und tief verwurzelte Gönnernetzwerke begünstigt wird", heißt es dazu.
Der weltweit bekannteste Korruptionsindikator wird von Transparency International erstellt und listet 182 Länder nach dem Grad der wahrgenommenen Korruption in Politik und Verwaltung auf. Die Skala reicht von 0 (hohes Maß an wahrgenommener Korruption) bis 100 (keine wahrgenommene Korruption).
Dort befindet sich Orbáns Ungarn bald schon auf demselben Level wie die Ukraine. Die arbeitet allerdings intensiv daran, ihren Korruptionssumpf trockenzulegen, weshalb sie seit Jahren an Punkten zulegt – also genau die gegenteilige Entwicklung.
"Länder mit schwachen rechtsstaatlichen Strukturen weisen ein hohes Korruptionsniveau auf", erklärt Transparency International die CPI-Ergebnisse: "Damit führt das Erstarken antidemokratischer Kräfte weltweit auch zu einem Ansteigen von Korruption in den jeweiligen Ländern. Wo Rechtsstaat, unabhängige Medien und zivilgesellschaftliche Gruppen als Kontrollinstanzen geschwächt werden, erstarkt die Korruption."
Die Trends sind eindeutig: Innerhalb einer weiteren Orbán-Amtszeit würde Ungarn hinter die Ukraine zurückfallen. Denn in Kyjiw hat der anhaltende Druck von NGOs, der Öffentlichkeit und Journalisten dazu beigetragen, Reformen in der Korruptionsbekämpfung voranzutreiben und die Unabhängigkeit der Ermittler zu sichern.
Der CPI 2025 umfasst 182 Länder, die auf einer Skala von 0 (hohes Maß an wahrgenommener Korruption) bis 100 (keine wahrgenommene Korruption) angeordnet werden. Der Index fasst 13 Einzelindizes von 12 unabhängigen Institutionen zusammen und beruht auf Daten aus der Befragung von Expert:innen und Führungskräften. Der Korruptionswahrnehmungsindex bewertet den öffentlichen Sektor – das heißt Politik und Verwaltung.
In Ungarn herrsche ein System der Selbstbedienung, heißt es seitens der Kritiker. Ein Ökonom vom Budapester Zentrum für Korruptionsforschung bezeichnet das Orbán-Modell als "Kleptokratie", bei der staatliche Gelder gezielt an politische Verbündete fließen: "Die Elite beraubt den Staat öffentlicher Gelder und nutzt dabei die mangelnde Rechtsstaatlichkeit aus."
Orbán selbst soll im Zentrum eines gewaltigen Netzwerks an Freunderlwirtschaft stehen. Laut einer umfangreichen Analyse der "Financial Times" von 350.000 Ausschreibungen haben 13 Männer aus seinem engsten Umfeld seit seinem Amtsantritt im Jahr 2010 massiv von öffentlichen Aufträgen profitiert.
Konkret geht es um rund 28 Milliarden Euro, die diese Gruppe seither über staatliche Ausschreibungen lukriert hat – im Schnitt 1,8 Milliarden Euro pro Jahr. Orbán hatte das Volumen dieser Aufträge im Vergleich zu früher verdreifacht.
Besonders auffällig: Ein erheblicher Teil der Aufträge ging an Firmen, bei denen es keine Konkurrenzangebote gab. In den Jahren 2024 und 2025 wurden sogar 69 Prozent der Deals ohne Mitbewerber vergeben.
Besonders auffällig: Ein Jugendfreund Orbáns, Lörinc Mészáros, während dessen Regierungszeit zum reichsten Mann des Landes aufgestiegen. Auch Bauunternehmer László Szíjj zählt zu den großen Profiteuren – seine Firmen erhielten Aufträge in Höhe von fast 8 Milliarden Euro.
Zu diesem Netzwerk gehörte einst auch Orbáns ehemaliger Mitbewohner aus Studienzeiten, Lajos Simicska. Er überwarf sich 2015 mit Orbán und musste anschließend mit ansehen, wie sein Unternehmensimperium zerfiel. Seine Vermögenswerte wurden von Mészáros und anderen übernommen.
Zu den weiteren prominenten Mitgliedern zählen Orbáns Schwiegersohn István Tiborcz sowie der langjährige Wanderpartner des Ministerpräsidenten, István Garancsi, und Gyula Balásy, der Mann hinter dem Werbeimperium, das die Regierung bedient.
Auch die EU sieht das kritisch und hat bereits Milliarden an Fördergeldern eingefroren – wogegen der Ungarn-Premier lautstark wettert.
Orbán selbst weist alle Vorwürfe zurück. Unternehmen wie Duna Aszfalt betonen, ihr Erfolg beruhe auf Erfahrung und Qualität – nicht auf politischen Beziehungen.
Brisant: Kurz vor der kommenden Wahl gerät das System zunehmend unter Druck. In Umfragen liegt die Opposition teilweise deutlich voran. Ob das milliardenschwere Netzwerk Orbán diesmal hilft oder ihm zum Verhängnis wird, entscheidet sich im April an der Wahlurne.