In Ungarn spitzt sich der politische Machtkampf zu. Premier Viktor Orbán (62) steht vor einer seiner schwierigsten Wahlen. Umfragen zeigen klar: Sein Herausforderer Péter Magyar (45) liegt vorne. Er war früher selbst Fidesz-Politiker und tritt mit seiner eigenen Partei TISZA nun als Anti-Korruptions-Reformer auf – und trifft damit offenbar einen Nerv.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unzufrieden mit der aktuellen Lage im Land. Besonders brisant: Diese Stimmung zeigt sich nicht nur in den Städten, sondern auch im ländlichen Raum, wo Orbáns Fidesz bisher als besonders stark galt.
Für zusätzliche Brisanz sorgen Berichte über mögliche Einflussversuche aus Moskau. Russland hat ein starkes Interesse daran, Orbán im Amt zu halten. Der ungarische Premier gilt als wichtiger Verbündeter, der immer wieder EU-Entscheidungen bremst und Kontakte zwischen Russland und konservativen Kräften im Westen pflegt.
Wegen der sich abzeichnenden Wahlniederlage soll sogar eine Abteilung des russischen Auslandsgeheimdiensts SWR im Kreml Alarm geschlagen und drastische Gegenmaßnahmen als "Gamechanger" offeriert haben.
In einem internen Bericht des SWR, der von einem europäischen Geheimdienst beschafft und authentifiziert sowie von der "Washington Post" geprüft wurde, schlugen die Mitarbeiter vor, "das gesamte Paradigma des Wahlkampfs grundlegend zu verändern" – und zwar durch "die Inszenierung eines Attentats auf Viktor Orbán".
"Ein solcher Vorfall wird die Wahrnehmung der Kampagne aus dem rationalen Bereich sozioökonomischer Fragen in einen emotionalen Bereich verlagern, in dem die Staatssicherheit sowie die Stabilität und Verteidigung des politischen Systems zu den zentralen Themen werden", schrieben die Mitarbeiter in dem Papier, das für die SWR-Hauptabteilung für politische Einflussnahme, die Direktion MS (Abteilung für aktive Maßnahmen), erstellt wurde.
Wie weit in der Befehlskette das nach oben gereicht wurde, ist unklar. Offiziell weist der Kreml alle Vorwürfe zu solchen möglichen Plänen zurück. Dennoch sehen westliche Beobachter klare Hinweise darauf, dass Russland im Hintergrund mitmischt.
Auch aus den USA kommt Unterstützung – zumindest symbolisch. Hochrangige Politiker haben zuletzt die Nähe zu Orbán gesucht. Während ein Treffen mit Donald Trump ausblieb, wird nun ein Besuch von US-Vizepräsident JD Vance erwartet. Denn auch die USA erklären öffentlich, Europa spalten zu wollen. Da kommt Orbán gerade recht.
Der ungarische Autokrat selbst schlägt derweil mit wilden "Feindbildern" um sich, um den Fokus im Land zu verschieben. Statt echter Probleme wie Wirtschaft und Inflation stellt er angeblich äußere Bedrohungen – die EU und Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj – in den Mittelpunkt seiner Kampagne.
Ob das reicht, um die Wähler doch noch zu überzeugen, wird sich bald zeigen – der Druck auf den FPÖ-Verbündeten war jedenfalls lange nicht mehr so groß.