Nach einem aufsehenerregenden Urteil in Niederösterreich sorgt nun ein Kriminalfall für Entsetzen. In Tirol sitzt ein 44-Jähriger seit Mitte April in Untersuchungshaft. Er steht im Verdacht, seine Lebensgefährtin wiederholt betäubt und anschließend vergewaltigt zu haben.
Wie das Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Innsbruck gegenüber den Ö1-Journalen bestätigten, laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Ausgewertet werden unter anderem umfangreiche Datenträger.
Der Mann stehe "im dringenden Verdacht, einer nahestehenden Person wiederholt betäubende Substanzen verabreicht, in diesem Zustand diese Person vergewaltigt zu haben", sagt Joachim Wüstner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck. Laut Heinz Holub-Friedreich, Sprecher des Bundeskriminalamtes, dürfte zudem auch die Ex-Partnerin des Verdächtigen betroffen gewesen sein.
Die Behörden arbeiten derzeit an der Auswertung umfangreicher digitaler Beweismittel. Der Fall erinnert an den international bekannt gewordenen Missbrauchsfall rund um die Französin Gisèle Pelicot. Dort soll der Ehemann seine Frau über Jahre hinweg betäubt, vergewaltigt und weiteren Männern zur Vergewaltigung angeboten haben. Nach bisherigen Erkenntnissen tauschten sich Männer in Chatgruppen und auf Internetplattformen über solche Taten aus.
In Österreich wurde bisher ein vergleichbarer Fall aus Niederösterreich bekannt. Der Täter wurde inzwischen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Die Ermittlungen begannen laut Opferanwältin Sonja Aziz im Februar 2025 in Bruck an der Leitha, als Polizisten überraschend an der Wohnung ihrer Mandantin erschienen.
"Plötzlich stehen an die 20 Polizistinnen und Polizisten an der Tür. Sie denkt sich noch, das ist wahrscheinlich ein Irrtum."
Die Beamten hätten ihr erklärt, dass es sich um keine Verwechslung handle. "Sie haben ihr Fotos vorgelegt und sie gefragt: 'Erkennen Sie sich auf diesen Fotos wieder?'", schildert Aziz im ORF. "Tatsächlich sind diese Fotos auf der Couch, auf der sie in dem Moment saß, aufgenommen worden."
Erst dadurch wurde der Frau bewusst, dass ihr damaliger Partner sie laut Ermittlungen über längere Zeit sediert und missbraucht haben soll.
Nach der Auswertung von Chats habe die Betroffene ihren Arbeitskalender überprüft. "Nachdem die Tatzeiträume anhand der Chats dieser beiden Täter konkretisiert werden konnten, hat sie ihren Arbeitskalender durchforscht und ist daraufgekommen, dass immer dann, wenn es zu einer Tat gekommen ist, sie im Krankenstand war, es ihr schlecht ging, sie teilweise auch Erinnerungslücken hatte, nicht mehr wusste, wie sie am Vorabend ins Bett gekommen ist", schildert Aziz.
Einmal musste die Frau sogar ins Krankenhaus. "Da war sie gerade frischgebackene Mutter und ist in ihrem Wohnhaus fast die Treppen hinuntergestürzt, weil sie bewusstlos geworden ist. Ihr Partner musste ihr da erlauben, ins Krankenhaus zu gehen", so die Opferanwältin. "Man hat sie dort untersucht und hat im Urin Benzodiazepine festgestellt. Sie als junge Mutter konnte sich das überhaupt nicht erklären, man drohte dann schon fast mit dem Jugendamt und hat dann auch ihren Partner gefragt. Der hat dann einfach verneint, er könne sich das auch nicht erklären."
Die Opferanwältin fordert mehr Sensibilisierung im Gesundheitsbereich. Gleichzeitig geht sie davon aus, dass die Zahl ähnlicher Fälle deutlich höher sein könnte als bisher bekannt.