Diese Geschichte geht ans Herz. Weil er so einsam fühlte und niemanden zum reden hatte, rief Lugi (84) die italienische Notrufnummer 112. Er wollte keine Anzeige erstatten, war nicht verletzt und befand sich auch nicht in unmittelbarer Gefahr. Trotzdem griff der Senior aus dem norditalienischen Pordenone zum Hörer.
"Liebe 112, ich fühle mich einsam", lautete seine Botschaft. Der 84-Jährige sehnte sich nach menschlicher Nähe, einem offenen Ohr und jemanden, mit dem er seine Gedanken teilen konnte.
Wie die italienische Polizei am Montag (5. Oktober) berichtete, leidet Luigi zunehmend unter der Einsamkeit. Mit den Jahren sei es für ihn immer schwieriger geworden, alleine zu sein. Ihm fehle jemand, dem er von seinem Alltag erzählen oder mit dem er einfach plaudern könne.
Als er schließlich den Notruf wählte, reagierten die Polizisten mit einer besonderen Geste. Zwei Beamte machten sich auf den Weg zu seiner Wohnung. Doch statt eines gewöhnlichen Polizeieinsatzes stand diesmal etwas ganz anderes auf dem Programm: zuhören, reden und Gesellschaft leisten.
Die Polizisten nahmen sich Zeit für Luigi und schenkten ihm damit etwas, das ihm schon lange gefehlt hatte: menschliche Zuwendung.
Auch die Polizei zeigte sich von dem Einsatz berührt. Nicht jeder Notruf entstehe aus einer unmittelbaren Gefahr, manchmal bestehe der eigentliche Notfall darin, niemanden zum Reden zu haben.
"An jenem Tag brauchte Luigi nicht nur Hilfe. Er brauchte Menschlichkeit. Und wir haben uns entschieden, für ihn da zu sein", erklärte die Polizei in einer emotionalen Mitteilung.
Der Fall macht auf ein Problem aufmerksam, das viele ältere Menschen betrifft. Nach dem Tod des Partners, durch gesundheitliche Einschränkungen oder fehlende soziale Kontakte kann Einsamkeit im Alter immer stärker werden.
Auch die zunehmende Digitalisierung stellt für viele Senioren eine zusätzliche Hürde dar. Wer mit elektronischen Geräten oder digitalen Behördendiensten nicht zurechtkommt, ist oft auf die Unterstützung anderer angewiesen.
Einsamkeit im Alter ist auch in Österreich ein großes Thema. Laut einer Caritas-Studie fühlen sich über 700.000 Menschen in Österreich sehr häufig einsam. Bereits im April 2020, während des ersten Corona-Lockdowns, startete die Caritas gemeinsam mit Magenta das österreichweite "Plaudernetz".
Unter der Nummer 05 1776 100 können Menschen, die einfach jemanden zum Reden brauchen, täglich von 10 bis 22 Uhr mit Freiwilligen plaudern. Das Angebot steht Menschen jeden Alters offen. Seit dem Start wurden bereits mehr als 70.000 Gespräche geführt.
Für Luigi wurde aus einem ungewöhnlichen Notruf schließlich ein besonderer Besuch. Und die beiden Polizisten zeigten, dass manchmal schon ein bisschen Zeit und ein offenes Ohr viel bewirken können.