Einsamkeit ist längst kein Problem, das nur ältere Menschen betrifft. 16 Prozent der unter 30-Jährigen in Österreich meist oder immer einsam, so die von der Telefonseelsorge OÖ präsentierten Daten.
Unter 142 ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr vertraulich erreichbar. Die Chatberatung steht täglich von 16 bis 23 Uhr zur Verfügung. Alle Infos gibt es hier. Anfragen an die Messengerberatung sind unter 0660 / 142 0 142 möglich.
Besonders gefährdet sind Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren sowie Jugendliche aus einkommensschwachen Familien, mit Migrationshintergrund oder queerer sexueller Orientierung. Auch bei jungen Menschen, die täglich mehr als zwei Stunden soziale Medien nutzen, ist der Anteil höher.
Barbara Lanzerstorfer-Holzner, Referentin der Telefonseelsorge OÖ, berichtete von einem Mädchen, das der Beratungsstelle schrieb: "Ich finde nur auf Instagram statt." Weltweite Kontakte und ständige Erreichbarkeit könnten nicht ersetzen, was vielen fehlt: persönliche Nähe und das Gefühl, verstanden zu werden.
Dazu kommt der Druck, mit scheinbar perfekten Leben mithalten zu müssen. Jugendliche würden zwar wissen, dass online Filter und Inszenierung dahinterstecken. Trotzdem fühlen sich manche nicht zugehörig: "Sie haben einfach das Gefühl, sie haben keinen Platz in der Gesellschaft, sie werden nicht gehört", erklärt Lanzerstorfer-Holzner.
Manche ziehen sich immer weiter zurück – wodurch es noch schwieriger wird, neue Kontakte zu knüpfen. Die Unsicherheit reicht bis in den Alltag: Manche Jugendliche trauen sich etwa nicht, telefonisch eine Fahrstunde zu verschieben, schildert die Expertin. Dabei gehe es gerade in dieser Lebensphase darum, selbstständiger zu werden und sich vom Elternhaus zu lösen.
Anhaltende Einsamkeit könne Selbstwert und Zukunftshoffnungen beeinträchtigen sowie Angststörungen und Depressionen begünstigen. Lanzerstorfer-Holzner warnt außerdem: Sozialer Rückzug könne die Anfälligkeit für Verschwörungstheorien und antidemokratische Tendenzen erhöhen.
Die Telefonseelsorge bietet seit zehn Jahren auch Chatberatung an. Onlineberatungs-Expertin Petra Risau erklärt, warum dieser Zugang wichtig ist: Gerade bei Themen, die mit Angst oder Scham verbunden sind, könne Schreiben leichter fallen als Sprechen. Ratsuchende bestimmen selbst, was sie preisgeben. Schon das Aufschreiben könne entlasten und helfen, Gedanken zu ordnen.
Die Antworten aus der Beratung lassen sich später nochmals nachlesen. Entscheidend bleibt das menschliche Gegenüber: Die Berater lesen aufmerksam, fragen nach und nehmen sich Zeit. Gemeinsam wird besprochen, was Halt geben könnte und welche weiteren Hilfen sinnvoll sind – etwa eine vertraute Person einzubeziehen oder professionelle Unterstützung zu suchen.