Was er jetzt vorhat

Péter Magyar: Das ist der neue Mann an Ungarns Spitze

Péter Magyar beendet Viktor Orbáns 16-jährige Ära in Ungarn und verspricht einen pro-westlichen Kurs sowie entschlossenen Kampf gegen Korruption.
Newsdesk Heute
12.04.2026, 22:26
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Péter Magyar hat in Ungarn bei der Parlamentswahl geschafft, was lange als unmöglich galt: Er hat den seit 16 Jahren regierenden rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orbán vom Thron gestoßen und wird wohl bald das zentraleuropäische Land führen. In der EU sind die Hoffnungen auf Magyars Wahlsieg am Sonntag groß: Orbán, der längst dienstälteste Regierungschef der Europäischen Union, liegt seit Jahren mit Brüssel im Clinch.

Magyar war früher selbst Mitglied der Fidesz-Partei von Orbán, arbeitete für die Regierung und applaudierte noch vor wenigen Jahren bei Orbáns Reden aus der ersten Reihe. Als im Februar 2024 die Fidesz von einem Skandal um die Begnadigung eines in Kindesmissbrauch verwickelten Mannes erschüttert wurde, trat Magyar mit scharfen Angriffen auf Orbán in die Öffentlichkeit. Er übernahm kurzerhand die bis dahin kaum beachtete konservative Partei Tisza, wurde rasch Oppositionsführer und Hoffnungsträger für viele Gegner der Regierung.

Zurück zur Demokratie

Der 45-Jährige, der die politische Kommunikation in den sozialen Netzwerken beherrscht und bei Wahlkampfauftritten als geübter Redner gilt, versprach den Ungarn nach 16 Jahren Orbán einen grundlegenden Wandel. Das von Orbán eingeführte System der "illiberalen Demokratie" werde er "Stein für Stein" abbauen, kündigte Magyar an.

Bei seinen vielen Kundgebungen, auch in ländlichen Regionen, versprach der konservative Politiker Verbesserungen im Gesundheitswesen und einen entschlossenen Kampf gegen die unter Orbán weitverbreitete Korruption.

Der Tisza-Chef steht für einen pro-westlichen Kurs und will Ungarn, das 1999 der Nato und 2004 der EU beigetreten ist, nach eigenen Angaben zu einem verlässlichen Partner innerhalb der westlichen Allianzen machen. Auch wenn er in Brüssel die nationalen Interessen Ungarns wohl ebenso hart vertreten wird wie Orbán, erwarten viele einen konstruktiveren Umgang.

Wenig politische Unterschiede

Magyar lehnt wie Orbán Waffenlieferungen an die Ukraine ab, es ist aber nicht bekannt, dass er den russischen Präsidenten Wladimir Putin hofieren würde. Beim Thema Zuwanderung fährt Magyar einen ähnlich strengen Kurs wie Orbán. Zu den Rechten von LGBTQ-Menschen, die von Orbán eingeschränkt wurden, äußerte sich Magyar bisher nur vage.

Der kometenhafte Aufstieg Magyars und sein Erfolg hängen laut Politikexperte Andrzej Sadecki damit zusammen, dass Magyar als ehemaliger Regierungs-Insider glaubwürdig vermitteln konnte, "dass das System von innen verdorben sei".

Magyar stammt aus einer einflussreichen konservativen Familie und interessierte sich schon als Bub für Politik. Während seines Jus-Studiums freundete er sich mit Orbáns jetzigem Bürochef Gergely Gulyas an und lernte seine spätere Frau Judit Varga kennen. Die beiden heirateten 2006. Nach einem Aufenthalt in Brüssel, wo Magyar im diplomatischen Dienst arbeitete, kehrte die Familie 2018 nach Ungarn zurück.

Ministerin als Ex-Frau

Magyar leitete die staatliche Agentur für Studentenkredite und war Aufsichtsrat in mehreren anderen staatlichen Unternehmen. Seine Frau wurde 2019 Justizministerin im Kabinett Orbán. Gemeinsam haben sie drei Kinder, 2023 ließen sie sich scheiden.

Während Varga wegen des Begnadigungsskandals zurücktrat, trat ihr Ex-Mann ins politische Rampenlicht. Zu seiner ersten Kundgebung kamen zehntausende Demonstranten. Bei der Europawahl 2024 wurde Tisza zweitstärkste Kraft hinter Orbáns Fidesz.

Vorwürfe

Magyar, der optisch auch als Bankmanager durchgehen könnte, wurde laut Medienwissenschaftlerin Veronika Kovesdi von der Elte-Universität in Budapest schnell als "mutig und tatkräftig" wahrgenommen. Außerdem wurde ihm zugeschrieben, "persönliche Risiken einzugehen". Durch seine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken erreichte er viele Menschen. Laut Kovesdi sehen viele seiner Anhänger in ihm einen "Helden", der "unermüdlich für sie kämpft".

Mit wachsender Bekanntheit war Magyar aber auch immer mehr Anschuldigungen ausgesetzt, die er selbst als einen "Tsunami aus Hass und Lügen" bezeichnete. Dazu zählen auch Vorwürfe häuslicher Gewalt, die von seiner Ex-Frau Varga erhoben wurden.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 12.04.2026, 22:31, 12.04.2026, 22:26
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