Machtwechsel möglich

Peter Magyar – er könnte Viktor Orban stürzen

Peter Magyar, einst Vertrauter Viktor Orbans, fordert als Hoffnungsträger der Opposition Ungarns Langzeitpremier bei der Wahl heraus.
Newsdesk Heute
07.04.2026, 08:05
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Noch vor ein paar Jahren hat Peter Magyar bei den Reden vom ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban in der ersten Reihe applaudiert. Anfang 2024 hat der 45-Jährige aber die Seiten gewechselt und könnte jetzt bei der Parlamentswahl am Sonntag den Langzeitregierungschef stürzen.

Früher war Magyar selbst Mitglied in Orbans Partei Fidesz und hat für die Regierung gearbeitet. Im Februar 2024 hat ein Skandal rund um die Begnadigung eines Mannes, der in Kindesmissbrauch verwickelt war, die Regierung erschüttert. Da ist Magyar mit scharfer Kritik an Orban auf die politische Bühne getreten und wurde blitzschnell zum neuen Hoffnungsträger für die Gegner der Regierung.

"Man nannte mich die 'ewige Opposition' innerhalb von Fidesz", hat Magyar 2024 der Nachrichtenagentur AFP kurz nach seinem Bruch mit der Regierung erzählt. Der 45-Jährige ist ein Profi, wenn es um politische Kommunikation im Internet geht, und steht auf Wahlkampfbühnen als geübter Redner. Nach 16 Jahren mit Orban an der Regierungsspitze verspricht er den Ungarn einen grundlegenden Wandel.

Magyar hat angekündigt, das gesamte politische System "Stein für Stein" abzubauen. Er verspricht Verbesserungen im Gesundheitswesen und einen entschlossenen Kampf gegen Korruption.

Er steht für einen pro-westlichen Kurs und will Ungarn, so sagt er, zu einem verlässlichen Partner für Nato und EU machen. Orban legt sich hingegen seit Jahren immer wieder mit der EU an und pflegt trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine weiterhin enge Beziehungen zu Kreml-Chef Wladimir Putin.

Magyar fährt aber auch einen scharfen Anti-Einwanderungskurs und lehnt – wie Orban – Waffenlieferungen an die Ukraine ab. Beim Thema Rechte für LGBTQ-Menschen, die von Orban eingeschränkt wurden, äußert sich der Oppositionspolitiker eher vage.

Dass Magyar früher Regierungs-Insider war, hat laut dem Politikexperten Andrzej Sadecki zu seinem schnellen Aufstieg beigetragen. Ihm werde geglaubt, wenn er versichert, "dass das System von innen verdorben sei", sagt der Forscher vom Warschauer Zentrum für Oststudien (OSW). "In gewisser Weise ist Magyar wie Orban vor 20 Jahren - nur ohne all den Ballast, die Korruption und die Fehler, die an der Macht begangen wurden."

Magyar kommt aus einer einflussreichen konservativen Familie und hat sich schon als Bub für Politik interessiert. Während seines Jus-Studiums hat er sich mit Orbans heutigem Bürochef Gergely Gulyas angefreundet und seine spätere Frau Judit Varga kennengelernt. Die beiden haben 2006 geheiratet. Nach einem Aufenthalt in Brüssel, wo Magyar im diplomatischen Dienst gearbeitet hat, ist die Familie 2018 nach Ungarn zurückgekehrt.

Magyar hat dann die Leitung der staatlichen Agentur für Studentenkredite übernommen und war auch im Aufsichtsrat mehrerer anderer Staatsunternehmen. Seine Frau ist 2019 zur Justizministerin im Kabinett Orban aufgestiegen. Magyar und Varga haben drei Kinder zusammen und haben sich 2023 scheiden lassen.

Während Varga wegen des Begnadigungsskandals zurückgetreten ist, ist ihr Ex-Mann ins politische Rampenlicht gerückt. Zu seiner ersten Kundgebung sind zehntausende Demonstranten geströmt. Bei der Europawahl 2024 wurde seine Tisza-Partei zweitstärkste Kraft hinter Orbans Fidesz.

Magyar sei schnell als "mutig und tatkräftig" wahrgenommen worden, sagt die Medienwissenschaftlerin Veronika Kovesdi von der Elte-Universität in Budapest. Außerdem wird ihm zugetraut, "persönliche Risiken einzugehen". Durch seine Kommunikation im Internet hat er sich eine große Reichweite verschafft. Laut Kovesdi sehen viele seiner Anhänger in ihm einen "Helden", der "unermüdlich für sie kämpft".

Mit steigender Popularität wurde Magyar aber auch mit einer Reihe von Vorwürfen konfrontiert, die er als einen "Tsunami aus Hass und Lügen" bezeichnet hat. Dazu gehören auch Anschuldigungen wegen häuslicher Gewalt, die seine Ex-Frau Varga erhoben hat.

"Da er innerhalb von Fidesz sozialisiert wurde, gibt es auch Zweifel, ob er in der Lage ist, einen wirklichen Bruch mit dem Orban-System herbeizuführen", sagt Politikexperte Sadecki. Wähler aus dem linken Lager seien "vielleicht nicht ganz zufrieden mit seinem Programm, unterstützen ihn aber dennoch, da er die beste Chance auf Veränderung darstellt", betont Sadecki.

{title && {title} } red, {title && {title} } 07.04.2026, 08:05
Jetzt E-Paper lesen