Donald Trump schickt seinen Stellvertreter JD Vance nach Budapest. Der Anlass: Am Sonntag finden in Ungarn Parlamentswahlen statt, bei denen Langzeit-Regierungschef Viktor Orbán (62) um seine politische Zukunft kämpft.
Umfragen unabhängiger Institute sehen die konservative Tisza-Partei von Herausforderer Péter Magyar bereits bis zu zehn Prozentpunkte vor Orbáns Fidesz. Eine Niederlage wäre eine persönliche Pleite für Orbán und seine Vertrauten.
Laut n-tv.de lobte Vance Orbán bei einer gemeinsamen Pressekonferenz überschwänglich und bezeichnete ihn als "kluges Vorbild" für Europa. Der US-Vize erneuerte damit die Liebesschwüre, die Trump bereits bei früheren Treffen geleistet hatte.
Die Regierungen in Budapest und Washington stehen sich ideologisch derart nahe, dass Experten längst von einer "Orbánisierung Amerikas" sprechen. Ungarn dient dem MAGA-Lager als Blaupause – sei es für den Umbau der Institutionen oder für die Kulturkampf-Rhetorik.
Und: Die USA wollen laut eines geleaken Entwurfs ihrer eigenen Sicherheitsstrategie die Europäische Union spalten. Auf Österreich, Ungarn, Italien und Polen soll verstärkt Einfluss nehmen, um sie "aus der EU herauszulösen".
Heftige Kritik an der Staatengemeinschaft durfte in Budapest deshalb nicht fehlen. Vance beharrte darauf, dass Brüssel und nicht Washington sich in die ungarische Politik einmische – während er genau das tat
Der US-Vize spiegelte damit die rhetorische Opferrolle des ungarischen Premiers wider, wonach europäische Politiker sich einmischen und "alles in ihrer Macht Stehenden versuchen" würden, um die Ungarn gegen ihn aufzubringen.
Orbán sprach – neben Vance stehend – von "ungewöhnlich plumper und offener Einmischung ausländischer Geheimdienste in die ungarischen Wahlprozesse".
Péter Magyar, Orbáns Herausforderer, bezichtigte Vance der Einmischung: "Kein fremdes Land darf sich in ungarische Wahlen einmischen. Dies ist unser Land." Die ungarische Geschichte werde "nicht in Washington, Moskau oder Brüssel geschrieben".
Zusätzlich unter Druck steht Orbán wegen eines geleakten Telefonats mit Putin. Darin versprach er dem russischen Präsidenten, ihm "auf jedwede Art zur Verfügung zu stehen" und verglich sich mit einer Maus und Putin mit einem Löwen.
In seinen 16 Jahren Regierungszeit ist Ungarn im Korruptionsranking massiv abgestürzt und nähert sich der Ukraine an – deren Anstrengungen in der Korruptionsbekämpfung allerdings Früchte tragen.