Aufliegegeschwüre, Gelenkversteifungen, Knochenbrüche, Mangelernährung, Austrocknung und keine Wundversorgung: Gegen eine ehemalige Direktorin eines privaten Wiener Pflegeheimes, das mittlerweile geschlossen ist, werden schwere Vorwürfe erhoben.
Wie der ORF berichtet, wirft die Staatsanwaltschaft der ehemaligen Heimleiterin die Vernachlässigung wehrloser Personen vor. Für die Beschuldigte gilt die Unschuldsvermutung. Wie Gerichtssprecher Christoph Zonsics-Kral bestätigte, liegt die Anklageschrift bereits vor.
Laut Anklage sollen von 2019 bis August 2022 insgesamt 17 Senioren unter gravierenden Pflegemängeln gelitten haben. Die Rede ist von schmerzhaften Folgen wie Aufliegegeschwüren, Gelenkversteifungen bis hin zu Knochenbrüchen. Bei bettlägerigen Bewohnern soll es zudem zu Mangelernährung und Austrocknungen gekommen sein.
Vermutlich aus Kostengründen wurden kaum diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen beschäftigt, sondern nur Heimhilfen und fachlich nicht qualifziertes Fremdpersonal mit mangelnden Deutschkenntnissen eingesetzt. Der Ex-Heimleiterin wird vorgeworfen, dass sie nicht die erforderliche Organisation für eine fachgerechte Betreuung bereit gestellt hat.
Die Frau soll zudem den Personalmangel vertuscht haben, indem sie inoffizielle Dienstpläne führte. Es soll auch zu Verstößen bei Dokumentationsvorschriften bei der Pflege sowie bei der Medikamentenausgabe gekommen sein. So sollen Wunden nicht versorgt, Infusionen falsch gesetzt und auch falsche Medikamente verabreicht worden sein.
In dem Heim waren zuletzt rund 100 Senioren untergebracht – zuletzt kostete ein Einzelappartment inklusive Vollpension etwa 83 Euro pro Tag (rund 2.500 Euro pro Monat). Vor rund einem Jahr wurde der Betrieb eingestellt, da der Pachtvertrag nicht verlängert wurde. Für einen Weiterbetrieb wäre zudem eine umfassende Sanierung notwendig gewesen. Ein Großteil der betroffenen Bewohner wurden mithilfe des Fonds Soziales Wien auf andere Einrichtungen verteilt.