Präventionstip-Skandal

Polizei sorgt mit Ratschlag für Frauen für Empörung

Ein ungewöhnlicher Präventionstipp der Bremer Polizei sorgt für Empörung: Frauen sollen sich bei drohender Vergewaltigung übergeben.
26.10.2026, 11:13
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Ein Ratschlag der Bremer Polizei sorgt für heftige Kritik: In ihren Präventionstipps wird Erbrechen als eine mögliche Reaktion genannt, um eine drohende Vergewaltigung abzuwehren. Frauenrechtler kritisieren die Aussage scharf. Auch eine Betroffene meldet sich mit einer erschütternden Erfahrung zu Wort.

Die Polizei versucht inzwischen, die Wogen zu glätten. Sie betont, dass absichtliches Erbrechen keinesfalls eine allgemeine Empfehlung sei.

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Frauenrechtsorganisation kritisiert Polizei

Besonders deutlich reagiert die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes auf den ungewöhnlichen Hinweis.

Eine Sprecherin erklärt gegenüber BILD: "Der Ratschlag, sich zu erbrechen, um einer drohenden Vergewaltigung zu entkommen, ist mehr als ungeeignet und schiebt Betroffenen die Verantwortung zu, eine Tat zu verhindern."

Die Organisation sieht darin ein grundsätzliches Problem. Verhaltenstipps könnten bei Betroffenen den Eindruck erwecken, sie hätten einen sexuellen Übergriff durch eine bestimmte Reaktion verhindern müssen.

Dabei seien Menschen in einer solchen Bedrohungssituation häufig gar nicht in der Lage, bewusst zu handeln: "Nicht selten stehen Betroffene unter Schock und frieren ein. Betroffenen zu empfehlen, sich zu erbrechen, ist daher der komplett falsche Weg und sollte auch nicht mehr kommuniziert werden."

Betroffene schildert erschütternde Erfahrung

Wie belastend der Polizeitipp sein kann, zeigt die Reaktion einer Frau, die nach eigenen Angaben über mehrere Jahre sexualisierte Gewalt erlebt hat. Auf Instagram richtete sie einen offenen Brief an die Bremer Polizei: "Ich habe mich während Vergewaltigungen erbrochen."

Sie schildert, dass das Erbrechen keine absichtliche Abwehrhandlung gewesen sei. Vielmehr habe ihr Körper unwillkürlich auf die erlebte Gewalt reagiert. Ihre Erfahrung macht deutlich, warum die Empfehlung bei Betroffenen schmerzhafte Erinnerungen auslösen kann.

Polizei reagiert auf die Empörung

Nach der öffentlichen Kritik äußert sich nun auch die Bremer Polizei. Polizeisprecherin Franka Haedke erklärt gegenüber BILD: "Die Entrüstung können wir natürlich nachvollziehen. Gerade bei einem so sensiblen Thema kann ein einzelner, aus dem Zusammenhang gelöster Tipp irritieren."

Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe

Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555

Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247

Rat auf Draht: 147

Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20

Polizei-Notruf: 133

Hier weiterlesen: Expertin gibt konkrete Tipps: Kontrolle, Eifersucht - wann der Alarm schrillen sollte  >

Die Behörde stellt klar, dass sie Erbrechen nicht grundsätzlich als Schutzmaßnahme gegen eine Vergewaltigung empfiehlt. Vielmehr handle es sich lediglich um eine von mehreren denkbaren Reaktionen in einer extremen Gefahrensituation. Ob eine bestimmte Handlung tatsächlich einen Übergriff verhindern könne, lasse sich nicht vorhersagen.

Verantwortung liegt ausschließlich beim Täter

Besonders wichtig ist der Polizei eine weitere Klarstellung. "Niemand muss sich auf eine bestimmte Weise verhalten. Und die Verantwortung für einen sexuellen Übergriff liegt ausschließlich beim Täter", heißt es in dem Bericht.

Auch Terre des Femmes fordert in der BILD einen anderen Ansatz bei der Verhinderung sexueller Gewalt: "Um solche Taten zu verhindern, muss Prävention endlich bei Männern ansetzen." Die Organisation warnt davor, den Betroffenen durch Verhaltensempfehlungen indirekt eine Mitschuld zuzuschreiben.

Mehr als 1.200 Teilnehmer bei Polizeikursen

Die Bremer Polizei bietet verschiedene Seminare zur Selbstbehauptung und Gewaltprävention an. Eines davon trägt den Titel "Starkes Auftreten statt starker Fäuste". Allein im ersten Halbjahr 2026 besuchten laut BILD mehr als 1.200 Menschen entsprechende Präventionsveranstaltungen.

Nach Angaben der Polizei sollen die Teilnehmer dort vor allem lernen, bedrohliche Situationen frühzeitig wahrzunehmen, Unterstützung zu holen und selbstbewusst aufzutreten. Allerdings gibt es auch hier Grenzen. Manche Betroffene erstarren bei einem sexuellen Übergriff vor Angst und können weder flüchten noch um Hilfe rufen.

Die Polizei betont deshalb, dass niemand verpflichtet ist, in einer Gefahrensituation auf eine bestimmte Weise zu reagieren. Ob jemand flieht, sich wehrt oder vor Angst erstarrt: Die Verantwortung für einen sexuellen Übergriff trägt immer der Täter.

wil, 26.10.2026, 11:13