Wie die "Daily Mail" berichtet, nahm ein hochrangiger Beamter der Thames Valley Police am frühen Samstagmorgen Kontakt mit dem Büro von Innenministerin Shabana Mahmood auf. Kurz darauf, gegen 8 Uhr, erschienen zivile Polizeikräfte an Andrews Wohnsitz Wood Farm auf dem Sandringham-Anwesen.
Einen offiziellen Ablauf für die Vorab-Information der Regierung bei prominenten Festnahmen gibt es nicht. Polizei und Politik betonen regelmäßig die Unabhängigkeit der Ermittlungsbehörden. Doch angesichts der politischen und gesellschaftlichen Sprengkraft des Falls habe man es intern als "good practice" betrachtet, die Innenministerin zu informieren.
Ein brisantes Detail: König Charles und der Palast wurden nicht vorgewarnt. Andrew ist damit der erste hochrangige Royal der Neuzeit, der festgenommen wurde.
Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit neuen Erkenntnissen aus den Epstein-Akten. Andrew soll während seiner Zeit als britischer Handelsgesandter sensible Informationen an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben haben.
Britische Ermittler sollen inzwischen Zugang zu unzensierten US-Dokumenten haben, die vor wenigen Wochen in teilweise geschwärzter Form veröffentlicht wurden. Schon zuvor hatte es informelle Gespräche zwischen Polizei und Regierung über entsprechende E-Mails und Unterlagen gegeben.
Andrew wurde auf seinem Anwesen und ausgerechnet an seinem 66. Geburtstag festgenommen – ein Schritt, der in Ermittlerkreisen als Zeichen großer Beweissicherheit gilt.
Statt ihn diskret über Anwälte zu einer Befragung zu laden, entschieden sich die Beamten für eine direkte Festnahme. Ein ungewöhnlich harter Schritt und ein klares Signal.
Durch die Festnahme erhielten die Ermittler zudem die Möglichkeit, Wohnräume zu durchsuchen und Beweismaterial sicherzustellen. Gesucht werden unter anderem Computer, Handys, Schriftstücke, Rechnungen und Bankunterlagen.
Polizeikräfte wurden sowohl in Wood Farm (Norfolk) als auch am früheren Wohnsitz Royal Lodge bei Windsor gesehen.
Andrew sitzt aktuell in Polizeigewahrsam. Die maximale Dauer beträgt 24 Stunden, sofern keine besonders schweren Delikte vorliegen.
Möglich sind: Freilassung ohne Auflagen („Release under investigation“), Kaution ohne Bedingungen oder Kaution mit Auflagen (wie Meldepflicht, Wohnsitzvorgaben). Ein Sprecher betonte, Auflagen dürften "nicht unverhältnismäßig oder strafend" sein.