Gesundheit

Pollen – das blüht Allergikern als nächstes

Die Baumpollen sind bereits im Abklingen, jetzt kommen die Gräser. Eine Allergieforscherin beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Allergien.

Sabine Primes
Wer nur auf Baumpollen allergisch ist, hat es demnächst geschafft. Wer auf Gräser oder Unkräuter reagiert, muss noch durchhalten. 
Wer nur auf Baumpollen allergisch ist, hat es demnächst geschafft. Wer auf Gräser oder Unkräuter reagiert, muss noch durchhalten. 
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Verstopfte Nase, Niesanfälle, juckende und tränende Augen? Allergiker können ein Lied davon singen. Oft kommen auch noch Kopfschmerzen, Krankheitsgefühl und Abgeschlagenheit hinzu. Rund 1,7 Millionen Österreicher reagieren allergisch auf Pollen, Tierhaare, bestimmte Lebensmittel oder andere an sich harmlose Stoffe. 

Früher Saisonstart

Die heurige Pollensaison hatte einen verfrühten Start. Bereits im Dezember/ Anfang Jänner haben Hasel und Erle Allergikern Probleme gemacht – eine Zeit, die hierzulande normalerweise am kältesten ist. "Das liegt vor allem am milden Winter, den wir hatten", erklärt Allergieforscherin Barbara Bohle von der MedUni Wien im Gespräch mit "Heute". Da Pollen auch wetterabhängig freigesetzt werden, spielt natürlich auch der Klimawandel einen Rolle, der warme Perioden früher ins Land bringt. Sind die Pflanzen gestresst, begünstigt das eine vermehrte Pollenfreisetzung. Traditionellerweise ging die Saison früher erst Ende Februar/Anfang März los.

Pollen sind die Samenkörner verschiedener Pflanzen, Kräuter und Gräser. Allergieauslösend sind bestimmte Eiweißstoffe in den Pollen (Allergene). Typische Symptome einer Pollenallergie sind gerötete Augen, Niesanfälle und Schnupfen. Meist verspüren Betroffene einen Juckreiz an Augen und Nase. Entzündungsbedingt ist die Nasenschleimhaut angeschwollen, weswegen eine verstopfte Nase ebenfalls zum Beschwerdebild gehört.

Wie lange dauert die Allergiesaison?

Das hängt ganz davon ab, wogegen man allergisch ist. Gegenwärtig hatten die so genannten "Frühblüher" ihre Hochzeit. Also Bäume wie die Birke, Buche, Eiche, Hasel und Esche. Reagiert man nur auf diese Pollen, hat man es demnächst hinter sich. Reagiert man außerdem z. B. auf Gräser, muss man noch länger durchhalten. Wer außerdem auf Unkräuterpollen Symptome zeigt, wird noch bis in den Herbst mit seiner Allergie zu kämpfen haben.

Was blüht derzeit besonders stark? Was kommt noch?

Die erwähnten Frühblüher, also Bäume, sind bereits im Abklingen. Als nächstes stehen die Gräser an. Diese Periode dauert über den Sommer an. Im Herbst folgen noch die Unkräuterpollen (Ragweed, Beifuß). Eine tägliche Übersicht über die aktuelle Pollenbelastung gibt der Pollenwarndienst der MedUni Wien.

Welche Allergie ist am häufigsten verbreitet?

Die Baumpollen und Gräserpollen machen am meisten Probleme, Unkräuter weniger. 

"'Die eine' Erklärung für eine Allergie gibt es nicht"

Woran liegt es, dass manche Menschen Allergien entwickeln und andere nicht?

Einen einzigen Grund gibt es nicht. Eine Allergie ist eine multifaktorielle Erkrankung. Einerseits spielt die Genetik eine Rolle, denn der Hang zur Allergie kann vererbt werden, nicht die Allergie selbst. Wenn ein Elternteil Allergiker ist, dann haben die Kinder ein 30 Prozent erhöhtes Risiko, ebenfalls Allergien zu bekommen. Sind beide Eltern betroffen, steigt das Risiko auf 50 Prozent oder mehr. 

Zur Genetik kommen verschiedene äußerliche Faktoren dazu. Ganz schlecht ist es etwa, wenn Kinder in einem Raucherhaushalt aufwachsen. Wachsen die Kinder in einem zu sauberen, zu sterilen Umfeld auf, begünstigt das ebenso die Allergieentwicklung. Studien haben gezeigt, dass Kinder mit vielen Geschwistern oder Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen und Kontakt zu Tieren haben, seltener Allergien entwickeln. Ebenso hilft es der Entwicklung des kindlichen Immunsystems, wenn die Kinder gestillt werden. 
Also "die eine" Erklärung für eine Allergie gibt es nicht. Denn es kommt auch vor, dass jemand Allergien entwickelt, obwohl niemand in der Familie Allergiker ist und umgekehrt. 

"Die Desensibilisierung zeigt sehr gute Erfolgsquoten."

Wie werden Allergien behandelt? 

Antihistaminika sind eine Möglichkeit, weil sie schnell wirken und so schnell die Symptome lindern. Der Nachteil dieses Medikaments ist jedoch, dass die Wirkung wieder nachlässt und man eine weitere Tablette nehmen muss – also ein ewiger Kreislauf.

Eine zweite Standardtherapie ist die Desensibilisierung bzw. Immuntherapie. Hier bekommt der Patient das Allergen, gegen das er reagiert in steigernden Dosen verabreicht. So versucht man den Körper daran zu gewöhnen und eine Toleranz aufzubauen. Diese Therapie dauert mindestens drei Jahre und es zeigen sich sehr gute Erfolgsquoten. Bei der Birke wirkt es zu 80 Prozent, bei der Insektengiftallergie zu 95 Prozent, bei Hausstaubmilbenallergie zu 70 Prozent. Bei Tierhaarallergien ist die Methode jedoch leider nicht besonders erfolgreich. 

Wann brauchen Allergiker eine Spitalsbehandlung?

Man muss sich nicht notwendigerweise im Spital behandeln lassen. Alles, was Sie im Spital bekommen, bekommen Sie auch in einem Allergieambulatorium. Es gibt jedoch spezielle Anforderungen, die an einen stationären Aufenthalt gebunden sind. Bei der Insektengiftallergie hilft kein Antihistamin. Hier muss desensibilisiert werden. Wegen möglicher Nebenwirkungen muss diese Therapie überwacht werden und ist mit einem Übernachtungsaufenthalt verbunden.

Auch bei Kindern, die eine schwere Nahrungsmittelallergie haben, ist ein Aufenthalt angezeigt. denn oftmals ist nicht ganz klar, gegen welchen Bestandteil sich die Allergie richtet, weil sich in der Nahrung viele Bestandteile befinden. Auch hier muss desensibilisiert werden. Dazu wird ein Doppelblind Placebo-kontrollierter Provokationstest gemacht, wo dem Kind ein Allergen bzw. ein Placebo verabreicht wird.

"Eine Nahrungsmittelallergie darf nicht mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit verwechselt werden"

Unterschied: Unverträglichkeit und Allergie

Achtung: Eine Nahrungsmittelallergie darf nicht mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit verwechselt werden!
Bei einer Unverträglichkeit fehlt dem Körper ein gewisses Enzym oder es ist zu wenig vorhanden. Die Symptome sind ähnlich wie bei einer Allergie, aber dosisabhängig. Und: Eine Unverträglichkeit ist nicht lebensgefährlich. Bei einer Laktoseunverträglichkeit zum Beispiel mangelt es am Enzym Laktase, das die Laktose, den Milchzucker in Milchprodukten, aufspaltet. Daher kommt es zu unangenehmen Symptomen wie Blähungen, Durchfall, Übelkeit. Laktase kann jedoch bereits präventiv vor dem Verzehr von Milchprodukten in Tablettenform eingenommen werden und so die Beschwerden verhindert werden. Ansonsten hilft nur eine laktosefreie Ernährung.

Eine Allergie ist eine Überempfindlichkeit des Immunsystems. Hier bildet der Körper Antikörper gegen einen bestimmten Fremdstoff. Bereits geringste Mengen können Symptome auslösen und einen lebensgefährlichen allergischen Schock auslösen. Ob eine Unverträglichkeit oder eine Allergie vorliegt, klärt eine Blutuntersuchung. Sind IgE-Antikörper vorhanden, ist es eine Allergie, wenn nicht, liegt eine Unverträglichkeit vor. 

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    In der 31. Schwangerschaftswoche begann alles mit kleinen roten Stellen rund um den Bauchnabel. Fiona Hooker verglich das Jucken mit einer Nesselsucht.
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    Kennedy News and Media
    "Nicht alle Katzenhaarallergiker bekommen automatisch Asthma"

    Was passiert, wenn ich meine Allergie nicht behandeln lasse?

    Auch hier gibt es nicht "die eine" Antwort. Wenn sie zum Beispiel eine diagnostizierte Katzenhaarallergie haben und Sie aber mit einer Katze zusammenleben, muss das nicht bedeuten, dass Sie die Katze abgeben müssen. Es kann sein, dass sei durch den stetigen Kontakt mit dem Allergen eine erhöhte Toleranz aufbauen und sich die Symptome verringen. Es kann aber auch sein, dass die Allergie in ihrer Intensität zunimmt – bis Sie an Asthma erkranken. Es gibt Studien, die sowohl das eine zeigen als auch das andere. Genauso gibt es Menschen, die die eigene Katze sehr gut vertragen, aber andere nicht. Also nicht alle Katzenhaarallergiker bekommen automatisch Asthma, wenn sie das Tier nicht abgeben. Aber wenn sich die Tendenz zeigt, ist eine Tierabgabe zu überlegen.

    Kann man eine Allergie heilen?

    Nein, das ist nicht möglich. Aber mit der Desensibilisierungstherapie kann die Überempfindlichkeit des Immunsystems reduziert werden. Man kann das Immunsystem aber nicht gänzlich austauschen. Ist eine genetische Veranlagung zur Allergie vorhanden, bleibt diese erhalten. Mit der Desensibilisierung tritt in den allermeisten Fällen eine anhaltende Linderung ein, aber keine Heilung. Dennoch ist eine Verbesserung der Lebensqualität gegeben.

    Wohin kann ich mich wenden, wenn ich den Verdacht einer Allergie habe?

    Der erste Ansprechpartner ist der Hausarzt. Steht wirklich eine Allergie im Raum, erfolgt in der Regel eine Überweisung an ein Allergieambulatorium.

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