Sieben Stunden vor dem großen ESC-Event in der Wiener Stadthalle versuchen Aktivisten nur wenige Hundert Meter entfernt, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Ab 14 Uhr versammelten sich zunächst ein paar Hundert Menschen zur "Solidarität mit Palästina"-Demo gegenüber vom Westbahnhof auf der Mariahilfer Straße. Laut Veranstalter sollten es noch bis zu 3.000 Demonstranten werden. Viele werden aus den Bundesländern erwartet, sogar aus dem Ausland sollen Anti-Israel-Aktivisten anreisen.
Der Regen gab zwar nach, doch starke Windböen wehten fast die Transparente um. "Kein Support für Völkermord", "Don't celebrate Genocide" oder "Nein zum ESC 2026!" hielten die Teilnehmer in die Höhe. Was sie störte: Dass ein Vertreter Israels am Song Contest teilnimmt.
Ein Passant wunderte sich im Vorbeigehen: "Die Sound-Anlage war sehr laut, die Reden sollten wohl bis in die Stadthalle zu hören sein." Aus den Lautsprechern drang der Wunsch eines Redners. "Lasst euch nicht provozieren."
Ein Lokalaugenschein zu Beginn zeigte: Aggressiv war die Stimmung nicht, viele hielten eine Bierdose in der Hand, Palästinensertücher wärmten die Oberkörper. Die KPÖ, die wohl auch hier vertreten war, veröffentlichte Stunden zuvor eine Aussendung: "Als KPÖ kritisieren wir die Verbrechen Russlands und die Verbrechen Israels", die Gräueltaten der Hamas-Terroristen gegen Israelis waren ihnen keine Zeile wert.
Auf der Seite standen Dutzende Polizeibusse, mehr als hundert Polizisten waren anwesend. Die Demonstration wird die Einsatzkräfte bis etwa 22 Uhr beschäftigen, ganze acht Stunden lang. Der Demo-Zug marschiert zunächst über die äußere Mariahilfer Straße, zieht dann weiter durch den 15. Bezirk, umrundet die Stadthalle und endet schließlich beim Arik-Brauer-Park in Wien-Ottakring.
Der Eurovision Song Contest in Wien findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Ein Insider sagte : Die Stadthalle sei mittlerweile "besser gesichert als das Weiße Haus".
Täglich stehen mehrere Hundert Polizisten im Einsatz – uniformiert und zivil. Unterstützt werden sie von Cobra-Beamten, Spezialkräften und Sprengstoff-Spürhunden. Die Zusatzkosten für den Sicherheitsaufwand machen laut ernst zu nehmenden Schätzungen deutlich mehr als eine Million Euro aus. Sogar das FBI hilft bei der Absicherung des Mega-Events mit. Heute nach Mitternacht wird der Contest mit dem finalen Voting zu Ende gehen, dann ist der ESC-Zauber für Wien vorbei. Hoffentlich ohne Zwischenfälle.