Niederösterreich

Prozess! Heimbewohner ruhig gestellt und geschlagen

Der Prozess gegen vier Pfleger wurde am Landesgericht St. Pölten fortgesetzt. Sie sollen Bewohner in einem Heim in NÖ gequält und missbraucht haben.

Tanja Horaczek
Prozess in St. Pölten
Prozess in St. Pölten
Bild: Daniel Schreiner

Wie berichtet soll es zu unfassbaren Handlungen in einem Pflegeheim in Sitzenberg-Reidling (Tulln) gekommen sein. Vier ehemalige Mitarbeiter sollen laut Zeugen die Bewohner gequält, beschimpft und bespuckt haben mehr dazu hier und hier.

Drei Frauen und ein Mann auf der Anklagebank

Der Prozess um Vorfälle in einem Pflegeheim hat Ende Jänner am Landesgericht St. Pölten begonnen und wurde jetzt fortgesetzt. Zwei Mitarbeiterinnen hatten die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Die Angeklagten - drei Frauen und ein Mann - wurden sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe entlassen.

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    Prozess um Missbrauch in Heim: Die vier früheren Pflegehelfer eines Heimes im Bezirk Tulln vor Gericht in St. Pölten.
    Prozess um Missbrauch in Heim: Die vier früheren Pflegehelfer eines Heimes im Bezirk Tulln vor Gericht in St. Pölten.
    HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com

    Die Anklagepunkte lauten Quälen und Vernachlässigen wehrloser Personen, fortgesetzte Gewaltausübung und sexueller Missbrauch von wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Personen von März 2020 bis März 2021. Das Quartett hat sich zu Beginn der Schöffenverhandlung im Jänner nicht schuldig bekannt.

    Bewohner konnten kaum gehen

    Laut zwei Zeuginnen waren mehrere der dementen Bewohner 2020 und 2021 "sehr müde" und "konnten kaum mehr gehen". "Das war schon auffällig", meinte eine 49-Jährige. Der Anklage zufolge sollen Beschuldigte Bewohnern zusätzliche Medikamente gegeben haben, um sie ruhigzustellen. Zwei Mitarbeiterinnen der Senecura-Einrichtung hatten diesbezüglich Wahrnehmungen gemeldet. So war etwa einer 49-Jährigen aufgefallen, dass in der Früh viele der dementen Bewohner länger geschlafen hatten und erst mittags aus dem Zimmer gekommen waren. Sie habe zu ihrer Vorgesetzten gesagt, sie solle sich "die Leute einmal anschauen, da stimmt irgendetwas nicht".

    Besserung als Angeklagte entlassen wurden

    Eine Kollegin hatte ebenfalls Meldung erstattet: "Ich habe gesagt, da passt irgendetwas nicht auf der Station." Die Reaktion sei gewesen, dass das "beobachtet" werde. Nachdem die Angeklagten entlassen wurden, "ist der Zustand bei den meisten Bewohnern wieder besser geworden" und es sei "wieder viel lebendiger geworden auf der Station", berichteten Zeuginnen.

    Unterschiedliche Aussagen gab es, ob in dem Heim wie vorgeschrieben immer diplomiertes Personal hinzugezogen wurde, bevor etwa bei Schmerzen zusätzliche Mittel in Form von Einzelverordnungen gegeben wurden. Ein Bewohner soll sogar eine Medikamentenvergiftung erlitten haben.

    "Ich glaub ich bin im falschen Film"

    Eine weitere Zeugin, die nur wenige Wochen als Heimhelferin beschäftigt war, berichtete von Schlägen und Stößen der Viertangeklagten gegen Bewohner: "Ich hab mir gedacht, ich bin im falschen Film." Die 39-jährige Beschuldigte bestritt die Vorwürfe. Der männliche Angeklagte ergänzte seine frühere Aussage am vierten Verhandlungstag und berichtete, dass Bewohner Anfang 2021 gegen Corona geimpft worden seien. Mehrere Personen hätten Fieber bekommen und "sind deswegen vermehrt im Bett gelegen", sagte der 36-Jährige.

    Bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe

    Nach den Aussagen von sechs Zeuginnen am Donnerstagvormittag stehen nach einer Mittagspause drei Befragungen auf dem Programm. Weitere Verhandlungstage sind für 16. und 30. März geplant. Im Fall einer Verurteilung drohen bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe.

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