"Jetzt politisch links"

Prügel-Prozess von Neonazi-Brüdern bringt Überraschung

Zwillinge, die zur Hooligan-Szene gehört haben sollen, wurden wegen eines Angriffs auf zwei "Linke" verurteilt. Ein Bruder wechselte jetzt Seiten.
Christian Tomsits
04.03.2026, 21:15
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Skurrile Wende in einem Prügelprozesses am Wiener Landesgericht am Mittwoch. Zwei eineiige Zwillinge (beide 18 Jahre alt) saßen ebenda gemeinsam wegen schwerer Körperverletzung auf der Anklagebank. Doch einer will plötzlich linksextrem sein.

Die damals sicherlich der gewaltbereiten Neonazi-Szene zugehörigen Brüder hatten gerade mit Stoppelglatze und Hooligan-Kapuzenpulli im vergangenen Sommer eine Identitären-Kundgebung in der Wiener City besucht, dann sollen sie in der U1 zwei junge Musiker (24, 22) angepöbelt und drangsaliert haben.

Der 22-Jährige mit dunklem Teint berichtete davon, dass man ihm zu verstehen gegeben hätte, "dass ich hier nicht willkommen bin." Kurz darauf sieht man auf den Überwachungsvideos üble Übergriffe. Folgerichtig war im Strafantrag von "zahlreichen Faustschlägen und Tritten gegen Körper und Gesicht" die Rede. Beide Opfer wurden laut Staatsanwaltschaft Wien verfolgt und geschlagen, eines erlitt Verletzungen. "Es war eine Hetzjagd", schilderte der 24-Jährige dem Gericht.

"Ich hab' vier Tage lang Schädelweh gehabt. Eine Woche konnte ich nix g'scheites essen. Und psychisch war ich am Sand." Der 22-Jährige kam mit Prellungen davon. Dennoch blieb auch bei ihm die Angst: Er zucke jedes Mal zusammen, wenn er jemanden mit kurzen Haaren hinter sich sehe, erklärte der Betroffene.

Umso überraschender erschien einer der angeklagten Brüder am Mittwochmorgen optisch stark verändert zur Verhandlung, trägt die Haare nun viel länger. Er soll auch seine Gesinnung um 180 Grad geändert haben. Laut Verteidiger Zaid Rauf fühle sich sein Mandant nicht mehr mit rechtsextremem Inhalten, sondern sei "eher links zuhause".

Zaid Rauf verteidigte die angeklagten Zwillingsbrüder, erreichte für beide Bewährungsstrafen.
Denise Auer

Vor einer Verurteilung schützte ihn das freilich nicht. Der vorbestrafte Zwilling kassierte 20 Monate bedingt trotz offener Vorstrafen und eine unbedingte Geldstrafe von 320 Euro. Sein Bruder kam mit zwölf Monaten bedingt davon, nicht rechtskräftig.

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