Während in Russland und in der Ukraine das neue Jahr beginnt, schlagen die Neujahrsbotschaften der beiden Präsidenten deutlich unterschiedliche Töne an: Wladimir Putin gab sich gegenüber den eigenen Truppen siegessicher, Wolodymyr Selenskyj stellte den Wunsch nach Frieden in den Mittelpunkt.
Putin wandte sich am Mittwoch, nach fast vier Jahren Angriffskrieg gegen die Ukraine, in einer aufgezeichneten Videoansprache direkt an die russischen Soldaten. Darin sagte er: "Wir glauben an Sie und an unseren Sieg".
Laut dem von Staatsmedien veröffentlichten Redetext war die Ansprache zuerst auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka im TV zu sehen, wo das Jahr 2026 am Mittwoch um 13.00 Uhr MEZ begann. Der Kremlchef sagte demnach auch: "Ich gratuliere unseren Kämpfern und Kommandanten zum beginnenden Neuen Jahr!"
Putin bezeichnete die Soldaten als "Helden". Die Truppen, die seit Februar 2022 an der sogenannten Spezialoperation beteiligt sind, würden für "ihr Heimatland, die Wahrheit und Gerechtigkeit" kämpfen. Die Ukraine wirft ihnen Kriegsverbrechen vor.
In seiner Botschaft erklärte Putin außerdem: "Millionen Menschen in ganz Russland - das versichere ich ihnen! - sind in dieser Silvesternacht bei Ihnen". Und weiter: "Sie denken an Sie, fühlen mit Ihnen, hoffen auf Sie. Wir sind vereint in unserer aufrichtigen, selbstlosen und treuen Liebe zu Russland". Russland werde seine gesetzten Ziele erreichen – "für unser großes Russland!" Von Verhandlungen mit den USA über ein Kriegsende oder von einer Hoffnung auf Frieden war in der Botschaft demnach keine Rede.
Putins Neujahrsansprache wird wegen der Zeitzonen im flächenmäßig größten Land der Erde jeweils um Mitternacht in den Regionen ausgestrahlt. Zugleich fiel die Ansprache auf ein Datum mit Symbolik: Am 31. Dezember 1999 hatte Vorgänger Boris Jelzin seinen Rücktritt und die Nominierung Putins als Übergangspräsident verkündet.
Selenskyj setzte hingegen auf den "Glauben an den Frieden". Das auslaufende Jahr sei geprägt gewesen "von der Treue und Standhaftigkeit, den Prinzipien und der täglichen Arbeit der Ukrainer", schrieb er auf Facebook und X. "Dieses Jahr wurde möglich dank unserer Verteidiger - denen, die es nicht nur für die Ukraine, sondern für alle verteidigt haben, die Freiheit und Würde schätzen."
Man gehe nun gemeinsam weiter "mit dem, was uns zusammenhält: Erfahrung und Erinnerung, unsere Muttersprache, Hoffnung und Glaube", so Selenskyj. Zudem nehme man die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und Menschlichkeit in das neue Jahr mit. "Wir glauben an den Frieden, kämpfen dafür und arbeiten dafür", schloss er – verbunden mit den besten Wünschen für 2026. Dazu posierte Selenskyj gemeinsam mit seiner Ehefrau Olena vor einem festlich geschmückten Weihnachtsbaum.