Die große Siegesparade im Gedenken an den Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg ist der Höhepunkt in Putins Jahreskalender. Doch die traditionell pompöse Machtdemonstration dürfte heuer so bescheiden wie seit 20 Jahren nicht mehr ausfallen.
Der Grund liegt auf der Hand: Sämtliches verfügbares Kriegsgerät wird an der Ukraine-Front benötigt. Das gab das russische Verteidigungsministerium indirekt mit Verweis auf die "aktuelle operative Lage" nun zu.
Dazu kommt die Angst vor ukrainischen Drohnen- und Raketenangriffen. Trotz zahlreicher Luftverteidigungssysteme rund um Moskau haben die vergangenen Monate gezeigt, dass immer wieder ukrainische Drohnen den Abwehrschirm durchdringen.
Das hat zur Folge, das an diesem 9. Mai auch die besonders spektakuläre Flugshow ausfallen könnte. Denn wenn die Luftabwehr in voller Alarmbereitschaft ist, kann nicht sichergestellt werden, dass versehentlich eigene Flugzeuge abgeschossen werden.
Offiziell nicht bestätigt, aber sicher auch ein Faktor, der zu dieser Entscheidung führte: Viele moderne Waffen wurden zerstört oder sind beschädigt, Nachschub ist knapp. Bedeutet: Statt rollender Panzer, Düsenjets und Raketenwerfer gibt es heuer nur Marschformationen von Soldaten.
Stattdessen setzt der Kreml auf Bilder aus dem Krieg: Im Staatsfernsehen sollen Einsätze in der Ukraine, Raketen in Alarmbereitschaft und Marineübungen gezeigt werden. Die Botschaft ist klar: Alles ist an der Front gebunden.
Für Wladimir Putin bleibt der 9. Mai trotzdem zentral. Der Feiertag erinnert an den Sieg über Nazi-Deutschland und wird politisch stark aufgeladen. Der Kreml zieht dabei immer wieder Parallelen zum Krieg in der Ukraine.