Jahrelang ohne Wohnung

Ricardo wurde gemobbt – dann landete er auf der Straße

Alle waren gegen ihn. Ricardo L. flüchtete aus einer Jugend-WG in Kärnten – es folgten harte Jahre ohne fixe Bleibe.
17.10.2026, 12:04
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Bereits als Teenager war der Kärntner extremen existenziellen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Der heute 23-Jährige landete früh in einer Villacher WG des Jugendamtes. In dieser standen Ausgrenzungen und Sticheleien gegen ihn an der Tagesordnung. "Es gab keinen Ort zum Durchatmen", erinnert sich Ricardo L. zurück.

Heute tritt er selbstbewusst auf und trägt stolz ein Regenbogen-Stirnband, doch der Weg dorthin war ein harter Kampf.

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Irgendwann wurde es ihm zu viel, er flüchtete aus der Einrichtung. "Keiner hat mich gesucht und niemand hat sich um mich gesorgt". Danach wurde ihm nach eigenen Angaben sein Platz in der WG gestrichen und er stand ohne Unterkunft da.

Plötzlich obdachlos

Auf einmal saß er ohne Perspektive auf der Straße und lernte in den folgenden Jahren die Schattenseiten des Systems gut kennen. Kein Bett, keine Dusche es war ein täglicher Kampf um dass Nötigste. Ein kräftezehrender Spießrutenlauf begann: von Obdachlosenunterkünften bis hin zur Erwachsenenhilfe. Eine Zeit, in der er von Stelle zu Stelle gereicht wurde, während es für ihn nur noch ums Überleben ging.

„Zu Beginn habe ich nichts über die Möglichkeit von Notschlafstellen oder dergleichen gewusst“
Ricardo L.

Nach Jahren des ohne Perspektive kam Anfang des Jahres die große Wende. Er schlug sich nach Wien durch und besuchte die Pride-Parade, dort wurde er auf das Projekt "VinziRast" aufmerksam. Seit Mai ist Ricardo L. nun Teil der Gemeinschaft, in seinem Leben geht es wieder bergauf. Seit September ist er nun in einer Lehre im dazugehörigen VinziRast-Lokal "mittendrin". Sein Plan nach der Lehre: ein eigenes Lokal als Safespace für lesbische Frauen.

Mehr Koordination der Institutionen gefordert

Anlässlich des Tages der Obdachlosigkeit ruft VinziRast-Vorstandsmitglied Christian Wetschka zu mehr Kooperation von Institutionen wie Arbeitsamt, Pensionsversicherungen und Psychiatrien auf. Durch gezielte Fallbesprechungen und der Einrichtung von "Case-Managern" könnten laut ihm 90 Prozent der Obdachlosigkeitsfälle in Zukunft verhindert werden.

Ein zentraler Baustein bei dem Thema Obdachlosigkeit ist die psychische Gesundheit, denn die Verantwortlichen betonen, dass wohnungslose Menschen oft zehnmal so häufig unter psychischen Problemen leiden als der Rest der Bevölkerung. Leider werden Obdachlose viel zu oft aus Psychiatrien weggeschickt, anstatt die notwendige Hilfe zu bekommen, so Wetschka.

Ermöglicht werden Neustarts, wie der von Ricardo L. durch Projekte wie der "VinziRast", einem Vorzeigemodell für Menschen in akuten Krisen. Ob als Paar, mit Haustieren oder allein: Die spendenfinanzierte und von Freiwilligen getragene Institution steht allen Erwachsenen ab 18 Jahren offen. Doch die Hilfseinrichtung stößt an seine Grenzen, Obfrau Veronika Kerres betont, dass diesen Sommer zum ersten Mal jeden Tag Personen weggeschickt werden mussten, da schlicht kein Platz mehr war.

nibu, 17.10.2026, 12:04
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