Der riesige Eisenfund aus der Donau bekommt eine neue, brisante Richtung: Die Spur der mehr als 2.300 Jahre alten Barren führt möglicherweise nach Bayern. Noch ist nicht endgültig bewiesen, wo das Eisen geschmiedet wurde. Doch mehrere Hinweise machen den Raum flussaufwärts vom Fundort besonders spannend.
Wie berichtete, wurden bei Deinham in der Gemeinde Hartkirchen mindestens 500 Eisen-Halbfabrikate aus der Donau geborgen. Zusammen bringen sie mehr als eine Tonne auf die Waage. Der Fund gilt als Europas größter bekannter Massenfund eisenzeitlicher Eisenbarren und bleibt derzeit unter Verschluss.
Gerade die Menge macht den Schatz so außergewöhnlich. Das Eisen hätte nach Berechnungen der Forscher für ungefähr 500 Schwerter gereicht. Damit wird der Fund nicht nur zu einer archäologischen Sensation, sondern auch zu einem Hinweis auf Handel in einer Größenordnung, die für diese Zeit bisher kaum greifbar war.
Der entscheidende Punkt: Eine derart schwere Fracht wurde wohl nicht zufällig an ihren Fundort gebracht. Die Barren lagen im Kies eines früheren Donau-Seitenarms. Die Forscher vermuten, dass das Eisen als Handelsware auf der Donau transportiert wurde und bei einem Schiffsunglück auf den Grund sank. Ein Boot wurde allerdings nicht gefunden.
Genau hier wird Bayern interessant. Wenn die Ladung tatsächlich per Schiff unterwegs war, spricht vieles dafür, dass sie donauabwärts transportiert wurde. Eine Tonne Eisen über weite Strecken gegen die Strömung zu bewegen, wäre in der späten Eisenzeit deutlich schwieriger gewesen. Damit richtet sich der Blick automatisch flussaufwärts.
Im Fokus stehen mögliche Produktionsräume in Bayern, darunter Manching, Kelheim und die Oberpfalz. Dort sind eisenzeitliche Siedlungen und Hinweise auf Eisenproduktion bekannt. Besonders Manching nahe Ingolstadt spielt eine wichtige Rolle: Das große Oppidum lag in einer Region, in der Erz und Metallverarbeitung für die Forschung seit langem von Bedeutung sind.
Trebsche formuliert die Spur vorsichtig, aber klar: "Das liegt gut 250 Kilometer stromaufwärts und steht im Zentrum unserer Hypothese." Gemeint ist der Raum Manching, der als möglicher Ausgangspunkt der Fracht besonders genau untersucht werden soll.
Für die Bayern-Spur spricht auch die Form der Barren. Ähnliche Eisen-Halbfabrikate sind aus mehreren Fundorten bekannt, darunter Manching und Maximiliansfelsen bei Auerbach in der Oberpfalz. Das beweist die Herkunft noch nicht, zeigt aber, dass der Deinham-Fund in ein größeres Netz von Herstellung, Lagerung und Handel passen könnte.
Auch der Wert der Ladung dürfte enorm gewesen sein. Im Oppidum von Manching wurde ein Goldmünzschatz mit 443 Münzen und 3,7 Kilogramm Gold gefunden. Nach Einschätzung der Forscher könnte ein solcher Schatz in einer ähnlichen Größenordnung gelegen haben wie der Wert einer Tonne Eisen. Damit wird deutlich: Bei der Fracht aus der Donau ging es wohl nicht um gewöhnliche Alltagsware.
Ob das Eisen tatsächlich aus Bayern kam, müssen weitere Analysen zeigen. Über Spurenelemente ließe sich bestimmen, aus welcher Lagerstätte das Metall stammt. So könnte auch geklärt werden, ob alle Barren aus derselben Schmiede kamen oder ob hier Eisen aus mehreren Produktionsstätten zusammengeführt wurde.
Bis dahin bleibt der Donau-Schatz ein Fall mit offener Herkunft. Sicher ist nur: Die Barren zeigen, dass vor mehr als 2.000 Jahren bereits gewaltige Mengen Eisen bewegt wurden. Sollte sich die Bayern-Spur bestätigen, wäre Deinham nicht nur Fundort eines Sensationsschatzes – sondern ein starkes Indiz für einen frühen Handelsweg entlang der Donau.