Seit Jahren Probleme

Schimmel im Gemeindebau – Frau soll selbst schuld sein

Seit 2009 wohnt Erika H. in einer Wohnung in Liesing. Immer wieder kommt es zur Schimmelbildung. Laut Wiener Wohnen trägt sie die Verantwortung dafür.
Christine Ziechert
22.05.2026, 06:00
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Das Badezimmer betritt Erika H. (60) derzeit nur, wenn es wirklich notwendig ist: "Ich dusche hier nicht mehr, das mache ich immer im Fitnesscenter", meint die 60-Jährige zu "Heute". Der Grund: Erika H. hat in ihrer Gemeindebau-Wohnung in der Färbermühlgasse (Wien-Liesing) ein massives Schimmelproblem – und das schon seit Jahren.

Die Wienerin zog 2009 in die rund 50 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung ein: "Etwa eineinhalb Jahre nach dem Einzug gab es die ersten Probleme. Ich hatte an der Außenmauer beim Badezimmer einen riesigen Wasserfleck, dann hat es mir im Bad die Fliesen rausgedrückt. Offenbar waren Rohre undicht, das Wasser ist getropft und hat schließlich den Schaden verursacht."

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Schon mehrmals Schimmel in der Wohnung

Wiener Wohnen ließ den Schaden in der Dachgeschoß-Wohnung beheben, aber es folgte weiteres Ungemach: "Ich hatte mindestens drei, vier Mal Schimmel in der Wohnung – vor allem im Winter, wenn es feucht ist. Auch die Fenster sind nicht dicht – die Dichtungen sollten eigentlich weiß sein, sind aber schwarz vom Schimmel. Im Winter hatte ich im Schlafzimmer in den Zwischenräumen sogar immer wieder Eis drinnen", berichtet Erika H.

Bisher entfernte Wiener Wohnen den Schimmel an den Wänden: "Sie haben den Schimmel abgekratzt und dann einfach drüber gemalt", so die 60-Jährige. Derzeit sind wieder das Bade- und das Schlafzimmer massiv befallen: "Es sind nur die Zimmer auf einer Seite betroffen. Ich glaube, dass entweder die Außenmauer oder das Dach schuld sind."

Mehrere Betroffene im Gemeindebau

Wie bzw. wo genau die Feuchtigkeit eintritt, ist nicht klar. Fix ist: Der Gemeindebau stammt aus der Mitte der 1960er-Jahre, die Außenmauer besitzt keine Dämmung. Eine Spenglerei sah sich vor kurzem auch das Dach und die Dachrinne an: "Der Arbeiter hat mir bestätigt, dass es am Dach eine undichte Stelle gibt und, dass er es Wiener Wohnen melden wird", meint Erika H.

Erika H. ist übrigens nicht die Einzige, die über Feuchtigkeit und Schimmel klagt: "Es gibt auf unserer Stiege und daneben mehrere Betroffene. Aber die Leute sind entweder ausgezogen oder haben die Entfernung selbst bezahlt."

Beschwerden bei FPÖ-Wohnbau-Ombudsmann

Auch FPÖ-Wohnbau-Ombudsmann Michael Niegl bestätigt dies: "Hier haben sich mehrere Mieter wegen Schimmel beklagt, die auf den verschiedensten Stiegen wohnen, meistens im Dachgeschossbereich."

Ein Betroffener ist auch Josef S. (63): Er wohnt in der Stiege neben Erika H. – auf gleicher Höhe: "Ich habe Feuchtigkeit im Bad – schon sicher seit einem Jahr. Die kommt eindeutig von oben runter, da ist irgendwas nicht dicht. Wenn es tagelang regnet, kann man sogar die Ziegel erkennen." Vor rund sechs Monaten meldete es der 63-Jährige an Wiener Wohnen: "Passiert ist seitdem nichts."

Laut Wiener Wohnen kein Bauschaden

"Heute" fragte bei Wiener Wohnen nach: "Im konkreten Fall wurde nach der Meldung der Mieterin zunächst das darüberliegende Dach durch einen Spengler-Fachbetrieb überprüft. Dabei konnten keine Schäden oder Mängel festgestellt werden, die einen Feuchtigkeitseintritt von außen erklären würden", betont eine Sprecherin.

Auf "Heute"-Nachfrage beim Spengler-Betrieb heißt es allerdings: "Wir haben im April mit einer Hebebühne Verblechungen bei der Dachrinne montiert und dort auch eine Stelle repariert. Zudem haben wir die Dehnungsfuge zur Nachbarstiege, die offen war, geschlossen. Das Dach sollte also jetzt dicht sein."

Falsches Lüften soll schuld sein

Bei einer Besichtigung der Wohnung von Erika H. stellte der bauphysikalische Kundendienst zudem Schimmelbefall im Bade- und Schlafzimmer sowie an den Fensterfugen in Küche, Wohn- und Schlafzimmer fest: "Im Zuge der Überprüfung wurden auch Feuchtigkeitsmessungen durchgeführt. Die betroffenen Wände waren trocken, ein bauliches Gebrechen konnte nicht festgestellt werden. Auch ein von der Mieterin angesprochener möglicher Mangel an den Fenstern wurde überprüft; die Fenster sind technisch in Ordnung", heißt es von Wiener Wohnen.

Stattdessen soll Erika H. selbst schuld sein: "Nach Einschätzung der Fachleute ist der Schimmelbefall auf erhöhte Luftfeuchtigkeit – höchstwahrscheinlich als Folge von falschem Lüft- und/oder Heizverhalten – zurückzuführen. Die Mieterin wurde im Zuge des Termins daher ausführlich beraten – insbesondere dazu, im Winter ausschließlich regelmäßig stoßzulüften und auf dauerhaft gekippte Fenster zu verzichten, um die Luftfeuchtigkeit zu senken."

Für Niegl eindeutig ein Baumangel

Eine kostenpflichtige Schimmelentfernung durch die Hausbetreuung sei beauftragt worden: "Wiener Wohnen meint, sie machen den Schimmel zwar weg, aber auf meine Kosten. Ich habe gesagt, ich sehe das sicher nicht ein. Warum auf meine Kosten? Das ist die Außenmauer. Eine Außenmauer geht mich nichts an. Sie wollen sich abputzen, wo es nur geht. Wiener Wohnen sagt, die Fenster sind dicht – die sind selber nicht ganz dicht."

Auch Niegl sieht die Schuld nicht bei Erika H.: "Der Schimmel ist nicht auf das falsche Lüftverhalten oder zu viel Feuchtigkeit im Badezimmer zurückzuführen, sondern eindeutig ein Baumangel. Wiener Wohnen sagt immer, dass die Mieter daran schuld sind – sie müssen mehr lüften, sie müssen die Wohnung richtig heizen und versuchen dann die Schuld auf die Mieter überzuwälzen", so Niegl abschließend.

{title && {title} } cz, {title && {title} } Akt. 22.05.2026, 08:11, 22.05.2026, 06:00
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