350 Jobs weg!

"Schlag ins Gesicht" – so hart trifft Firmenpleite alle

Das Aus des Autozulieferers Nemak in Herzogenburg trifft besonders junge Mitarbeiter hart: Sieben Lehrlinge können ihre Ausbildung nicht beenden.
Victoria Carina  Frühwirth
09.05.2026, 22:00
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Der Schock sitzt tief. Mit der Schließung des Autozulieferers Nemak in Herzogenburg (Bezirk St. Pölten, NÖ) verlieren rund 330 Mitarbeiter ihre Jobs, mit Leiharbeitern sind es laut Betriebsrat sogar rund 350 Betroffene – "Heute" berichtete. Darunter sind auch 15 Lehrlinge – sieben von ihnen stecken noch mitten in der Ausbildung.

Es ist ein Drama für die ganze Region. Hunderte Familien stürzen in finanzielle Turbulenzen, viele haben Kredite für Eigenheime offen. Wichtige Pläne werden mit dem Job-Abbau mit einem Schlag vernichtet.

Lehrlinge bleiben ohne Abschluss zurück

"Wir schauen als Betriebsrat, dass wir für unsere Lehrlinge bei anderen Betrieben in der Region einen guten Lehrplatz finden", sagt Arbeiterbetriebsrat Martin Bunzengruber im "Heute"-Gespräch. Für die jungen Mitarbeiter ist die Nachricht besonders bitter: Sie können ihre erst kürzlich gestartete Lehre am Standort nicht mehr beenden, bevor dieser schließt.

Bunzengruber kennt den Betrieb seit vielen Jahren. Er ist seit über einem Jahrzehnt bei dem Autozulieferer beschäftigt, seit 2018 arbeitet er im Betriebsrat. Die Belegschaft am Standort reicht laut ihm von 15 bis 62 Jahren. Viele Kollegen haben ihr ganzes Berufsleben in Herzogenburg verbracht.

"Ganzes Leben hier gearbeitet"

"Von unseren Mitarbeitern haben 50 Leute als Lehrlinge hier angefangen. Die haben nie etwas anderes kennengelernt, das war ihre erste Arbeitsstelle", so Bunzengruber. Dass das Werk nun geschlossen wird, sei für die Belegschaft "wie ein Schlag ins Gesicht".

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Besonders unverständlich ist für den Betriebsrat der Zeitpunkt der Entscheidung. Zwar krisle es in der gesamten Automobilbranche seit Corona, auch der Druck durch Konkurrenz aus China sei enorm. Doch in Herzogenburg wurde laut Bunzengruber bis zuletzt investiert.

Teure Investitionen in Standort

"In den vergangenen zwei Jahren wurden noch zehn Millionen Euro hineingesteckt", sagt er. "Jetzt verstehe ich nicht, wie so kurz nach der Nemak-Übernahme beschlossen wird, unser Werk zu schließen."

Nemak, ein mexikanischer Großkonzern, stellt Motorblöcke, Zylinderköpfe und Bauteile aus Aluminium her, laut eigenen Angaben ist das Unternehmen "ein führender Anbieter innovativer Leichtbaulösungen für die globale Autoindustrie". 2019 beschäftigte der Konzern in 38 Werken in 16 Ländern rund 22.000 Mitarbeiter. Kunden sind internationale Automobilkonzerne.

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Für viele Familien in der Region bleibt damit weiter große Unsicherheit. Der Betriebsrat will nun vor allem eines: Für die Beschäftigten das Bestmögliche herausholen – und den Lehrlingen so rasch wie möglich neue Perspektiven sichern.

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