Das Wetter in Österreich zeigt sich derzeit turbulent. Auf sonnige Tage folgen plötzlich eisige Temperaturen, kurz darauf steigen die Werte wieder kräftig an. Für den Frühling nichts Ungewöhnliches. Doch was harmlos wirkt, kann für viele Menschen gefährlich werden - durch Schlaganfälle.
Eine neue Studie des Universitätsklinikums Jena (Deutschland) mit 1.600 Patienten zeigt: Es gibt tatsächlich so etwas wie ein typisches Schlaganfall-Wetter. Neurologen haben dafür Wetterdaten mit Patientenakten des Klinikums abgeglichen und einen klaren Zusammenhang erkannt.
Vor allem schnelle Veränderungen bei Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck treiben das Risiko nach oben. Sinkt die Temperatur innerhalb von 24 Stunden, steigt das Schlaganfall-Risiko pro drei Grad um elf Prozent - und bleibt bis zu zwei Tage erhöht.
Für Risikopatienten ist die Lage laut der Studie besonders ernst. Bei ihnen kann sich die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls bei abrupten Wetterwechseln sogar vervierfachen. Vor allem Menschen mit Diabetes oder Arterienverkalkung reagieren empfindlich, heißt es weiter.
Für Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien sind die Ergebnisse nachvollziehbar. "Wetterumstellungen gehen oft mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Die Pumpe muss dann stärker arbeiten", sagt er im "Heute"-Talk.
Das Schlaganfall-Risiko entstehe durch ein Zusammenspiel mehrerer Umweltfaktoren - allen voran Temperatur und Luftdruck. Gleichzeitig warnt Hutter: "Man darf nicht vergessen: Bereits hoher Blutdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor - und zwei Millionen Österreicher sind davon betroffen."
Klar ist für Experten Hutter auch: Die extremen Wetterschwankungen, die zu Schlaganfällen führen können, werden häufiger. "Dieses abrupte Hin und Her ohne Übergangsphasen wird in Zukunft zunehmen. Das Risiko erhöht sich. Die Anpassungszeit für den Körper wird immer kürzer", so Hutter in Hinblick auf die globale Erderwärmung.