Die Dürre in Norditalien spitzt sich weiter zu. Der Po, Italiens längster Fluss, führt bei Cremona derzeit außergewöhnlich wenig Wasser. Wo sonst der Fluss strömt, liegen nun breite Sand- und Kiesbänke frei.
Wie Südtirol News berichtet, zeigen Satellitenbilder des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus bei Cremona ungewöhnlich große Flächen, die normalerweise unter Wasser liegen.
Besonders brisant: Der Pegel soll dort auf 8,59 Meter unter dem hydrometrischen Nullpunkt gefallen sein. Das wäre sogar noch schlechter als der Negativwert aus dem Dürrejahr 2022.
Auffällig ist auch das Tempo der Entwicklung. Laut den vorliegenden Angaben verschärfte sich die Trockenheit diesmal innerhalb von nur sechs Monaten. 2022 habe es mehr als ein Jahr gedauert, bis eine vergleichbare Lage erreicht war.
Als entscheidender Faktor wird die enorme Hitze genannt. Der laufende Sommer wird in den Angaben für mehrere Regionen, auch in Norditalien, als vermutlich einer der heißesten seit Messbeginn beschrieben. Je höher die Temperaturen, desto stärker die Verdunstung - und desto größer der Wasserbedarf in der Landwirtschaft.
Weiter flussabwärts bleibt die Lage ebenfalls angespannt. Für Pontelagoscuro werden im Material je nach Angabe nur noch rund 220 bis 246 Kubikmeter Wasser pro Sekunde genannt. Die Vergleichswerte liegen deutlich höher. Im Delta dringt Salzwasser bereits mehr als 20 bis 25 Kilometer weit flussaufwärts vor.
Das hat direkte Folgen für Felder und Betriebe. Das Wasser wird für die Bewässerung zu salzig, teils mussten Entnahmen bereits gestoppt werden. Ernten sind gefährdet, auch Flussökosysteme und Süßwasserfischerei leiden unter der Entwicklung.
Das zuständige Beobachtungsgremium hat die Wasserknappheit im Po-Einzugsgebiet inzwischen als "hoch" eingestuft. Auch die großen Seen Norditaliens stehen massiv unter Druck. Im Material wird ihr Füllstand im Schnitt mit rund fünf Prozent angegeben. Nur der Gardasee bildet mit etwa 40 Prozent eine deutliche Ausnahme.
Um die Krise am Lago Maggiore abzufedern, haben Italien und die Schweiz eine außergewöhnliche Maßnahme vereinbart: Wasser soll aus dem Luganersee über die Tresa in den Lago Maggiore geleitet werden. Dadurch soll auch der Ticino, der Abfluss des Lago Maggiore, entlastet werden.