Die anhaltende Hitzewelle macht nicht nur Urlaubern in Italien zu schaffen, sondern setzt auch den Gardasee massiv unter Druck. Nach aktuellen Berichten verliert Italiens größter See derzeit täglich rund 7,4 Milliarden Liter Wasser – verursacht durch extreme Temperaturen, intensive Sonneneinstrahlung und ausbleibenden Nachschub.
Rund um den Gardasee wurden zuletzt Temperaturen von bis zu 35 Grad gemessen. Bei solchen Werten verdunsten von der rund 370 Quadratkilometer großen Wasserfläche laut der Tageszeitung "L'Arena" täglich bis zu zwei Zentimeter Wasser.
Die Folge: Der Wasserstand sinkt spürbar. Innerhalb einer Woche fiel der Pegel am Messpunkt Peschiera del Garda um fast zehn Zentimeter und lag zeitweise erstmals heuer unter der Ein-Meter-Marke. Aktuelle Messdaten zeigen inzwischen wieder einen Pegel von 101 Zentimetern.
Für den sinkenden Wasserstand ist nicht allein die Hitze verantwortlich. Der wichtigste Zufluss des Sees, der Fluss Sarca, führt derzeit deutlich weniger Wasser, weil die Schneeschmelze in den Alpen weitgehend abgeschlossen ist.
Gleichzeitig wird über den Abfluss Mincio mehr Wasser als üblich entnommen, um landwirtschaftliche Flächen in der Po-Ebene zu bewässern. Die Kombination aus hoher Verdunstung, geringerem Zufluss und verstärkter Wasserabgabe setzt dem See derzeit besonders zu.
Von historischen Tiefständen ist der Gardasee zwar noch entfernt. Im Frühjahr 2023 sank der Pegel zeitweise auf knapp 40 Zentimeter, der Negativrekord stammt aus dem Jahr 2007 mit lediglich sieben Zentimetern.
Dennoch liegt der Wasserstand derzeit deutlich unter dem Niveau der vergangenen beiden Jahre. Experten sehen darin ein weiteres Zeichen dafür, wie empfindlich selbst große Gewässer auf lang anhaltende Hitzeperioden reagieren.
Eine unmittelbare Gefahr, dass der Gardasee austrocknet, besteht jedoch nicht. Mit einer maximalen Tiefe von 346 Metern zählt er zu den tiefsten Seen Europas und verfügt über enorme Wasservorräte.
Dennoch bleibt die Entwicklung besorgniserregend. Der Gardasee ist nicht nur eines der beliebtesten Urlaubsziele Italiens, sondern auch ein wichtiges Süßwasserreservoir für Norditalien. Zusätzlich belasten Übertourismus, zunehmende Verbauung und Umweltverschmutzung das empfindliche Ökosystem.