Kokain ist längst keine teure "Promidroge" mehr. Auch in Oberösterreich wird die illegale Droge immer häufiger konsumiert und die Konsumenten werden immer jünger. Sogar 16-Jährige müssen bereits wegen einer Abhängigkeit behandelt werden.
Kurosch Yazdi-Zorn, Leiter der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin am Kepler Universitätsklinikum Linz spricht in den Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) von drei Gründen: Kokain ist billiger, reiner und leichter verfügbar als früher.
"Bei mir sind ganz normale Menschen mit Kokainabhängigkeit in Behandlung - Bauarbeiter ebenso wie Banker, Lehrer, Kellner und Beamte", sagt Yazdi-Zorn in den OÖN.
Besonders alarmierend: Kokain werde auch an vielen Oberstufen und Berufsschulen verkauft. "Früher war es undenkbar, dass wir derart junge Männer und Frauen wegen Kokainabhängigkeit behandeln. Es ist erschreckend, welch hohe Dosen konsumiert werden", so Yazdi-Zorn.
Häufig komme Mischkonsum mit Nikotin, Alkohol oder Benzodiazepinen dazu. Das erhöhe den Stress für den Körper enorm. "So etwas halten auch junge Menschen nicht lange durch", sagt der Suchtexperte den OÖN. Ein spezifisches Ersatzmedikament für Kokain gibt es nicht. Der Entzug sei schwierig und langwierig und gelinge in der Regel nur mit professioneller Hilfe.
Am häufigsten konsumieren junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren Kokain, oftmals auch zur Leistungssteigerung im Job. Männer greifen statistisch etwa doppelt so häufig zur Droge wie Frauen.
Laut aktuellem Drogenbericht ist Kokain nach Cannabis die am meisten konsumierte illegale Droge in Österreich. Gleichzeitig ist der Straßenpreis deutlich gesunken: 2023 zahlten Konsumenten üblicherweise noch 90 Euro pro Gramm, ein Jahr später waren es nur noch 50 Euro.
"Das Thema ist längst auch in der Drogenberatung angekommen", sagt Ronald Klimmer, Leiter der Suchtberatungsstelle Point in Linz.
Der Zugang zur Droge sei inzwischen besonders einfach. "Die Droge ist mittlerweile auf unverschlüsselten Plattformen im Internet erhältlich. Man kann es quasi von zuhause aus bestellen und bekommt es an die Haustür geliefert", sagt Klimmer.
Die gesundheitlichen Folgen können schwerwiegend sein. Kokain kann das Nervensystem dauerhaft schädigen. Durch das Schnupfen können Löcher in der Nase entstehen, durch das Rauchen eine sogenannte Crack-Lunge. Wegen des erhöhten Blutdrucks steigt zudem das Risiko für einen Schlaganfall auf das Fünffache.