Neue Studie zeigt, wie

Schon 2040 könnte Verkehr komplett ohne Erdöl auskommen

Eine neue Studie zeigt: Europas Straßenverkehr könnte ab 2040 komplett ohne fossile Kraftstoffe auskommen und gänzlich unabhängig sein.
Newsdesk Heute
03.07.2026, 07:44
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Wenn über die Zukunft des Autofahrens diskutiert wird, geht es fast immer um E-Autos. Batterie rein, Benzin raus – so lautet bisher die einfache Formel. Doch eine neue Untersuchung zeigt jetzt: Der Ausstieg aus der Abhängigkeit vom Erdöl könnte deutlich vielfältiger sein als gedacht.

Im Zentrum stehen – neben Wasserstoff – sogenannte Carbon Neutral Fuels, kurz CNF. Gemeint sind erneuerbare Kraftstoffe aus biologischen Rest- und Abfallstoffen, die fossiles Benzin und Diesel ersetzen sollen. Der Vorteil: Sie könnten in bestehende Tankstellen, Raffinerien und Fahrzeuge eingebunden werden, ohne dass dafür die komplette Infrastruktur neu gebaut werden muss.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Die gegenständliche Metastudie "Vom Rohstoff zur fossilfreien Mobilität: Europas Potenzial für einen erneuerbaren Kraftstoffmarkt" ist eine Zusammenarbeit des Karlsruher Instituts für Kolbenmaschinen (IFKM) mit dem Institut für Katalyseforschung und -entwicklung (IKFT), dem Deutschen Biomasseforschungszentrum DBFZ und Freyberger engineering. Den Auftrag dazu gab Autobauer BMW. Siehe: https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000191584

Die Autoren setzten sich zum Ziel, die Realisierbarkeit von CNF als komplementären Pfad zur Elektrifizierung im Straßenverkehr quantitativ und qualitativ zu bewerten. Das brisante Ergebnis zeigt, "dass selbst unter Ausschluss jeglicher Importe in der EU ausreichend fortschrittliche Rohstoffe zur Verfügung stehen, um CNF in relevanten Mengen herzustellen."

Ab 2040 könnte der gesamte Kraftstoffbedarf des EU-Straßenverkehrs im optimistischen Szenario aus europäischen Rohstoffen gedeckt werden. Die Studie kommt sogar auf 107 Prozent des prognostizierten Bedarfs. Europa könnte seine Autos, Lieferwagen und Lkw dann rechnerisch ohne Erdöl versorgen.

Schon früher wäre viel möglich: Für 2030 errechnen die Autoren, dass 38 bis 55 Prozent des gesamten Kraftstoffbedarfs im EU-Straßenverkehr durch erneuerbare Alternativen ersetzt werden könnten. 2035 steigt dieser Anteil auf 44 bis 67 Prozent.

Breiter denken

Der Knackpunkt: Parallel sinkt der Bedarf an flüssigen Kraftstoffen, weil immer mehr Fahrzeuge elektrisch fahren. Die Forscher halten fest, dass es zumindest für den marktwirtschaftlichen Kick-Start von CNFs die Nachfrage durch den Individualverkehr brauche. Langfristig würde diese dann durch schwer elektrifizierbare Sektoren wie Sektoren Schifffahrt oder Flugverkehr abgedeckt.

Wichtig ist: Es geht nicht nur um gebrauchtes Speiseöl. In der öffentlichen Debatte wird Biokraftstoff oft auf HVO (hydriertes Pflanzenöl) und alte Fette reduziert. Laut Studie macht dieses Material aber nur rund ein Prozent des verfügbaren Rohstoffportfolios aus. Das größere Potenzial liegt in Reststoffen aus Land- und Forstwirtschaft, Stroh, Siedlungsabfällen, Agroforst, Zwischen- und Deckfrüchten sowie Pflanzen von Flächen, die nicht für Lebensmittel genutzt werden.

Für eine solche Transformation braucht es politischen Willen und klare Regeln. Die Studie fordert verlässliche politische Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und den Aufbau von Produktionsketten. Ohne große Anlagen, gesicherte Nachfrage und funktionierende Märkte bleibt das Potenzial nur eine Zahl am Papier.

Kein Verbrenner-Aus nötig

Auch für bestehende Verbrenner ist das Thema entscheidend. Millionen Autos werden 2040 noch auf Europas Straßen unterwegs sein. Werden sie mit erneuerbaren Kraftstoffen betankt, könnten ihre fossilen CO2-Emissionen stark sinken. Bei der Verbrennung entsteht zwar weiter CO2. Es stammt aber aus Pflanzen und Reststoffen, die zuvor CO2 aus der Luft gebunden haben.

Das klare Fazit der Studie:

Erneuerbare Kraftstoffe (CNF) stellen eine tragfähige und skalierbare Säule für einen Straßenverkehr ohne fossiles CO2 in der EU dar. Kurzfristig sind moderate Rohstoff- oder Produktimporte für eine vollständige Substitution aller fossiler Kraftstoffe in der EU noch notwendig.

"Mittelfristig – spätestens ab 2040 – ist jedoch eine vollständige Deckung des Kraftstoffbedarfs aus in Europa verfügbaren erneuerbaren Rohstoffen möglich", so die Autoren. Voraussetzung hierfür seien verlässliche politische Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und ein koordinierter Hochlauf der CNF-Wertschöpfungsketten.

"Über den Klimaschutz hinaus leisten lokal hergestellte erneuerbare Kraftstoffe einen Beitrag zur energiepolitischen Unabhängigkeit. Die Erschließung von Biomassepotenzialen in Europa kann Importabhängigkeiten reduzieren und regionale Wertschöpfungsketten stärken."

{title && {title} } red, {title && {title} } 03.07.2026, 07:44
Jetzt E-Paper lesen