Das Lueger-Denkmal beim Stubentor (Wien-Innere Stadt) sorgt erneut für Aufregung: Die Statue wurde erst am 26. Mai nach einer künstlerischen Umgestaltung (Neigung um 3,5 Grad) um 776.000 Euro wieder aufgestellt und am 11. Juni offiziell enthüllt. Jetzt wurde sie erneut mit roter Farbe beschmiert.
Das Karl-Lueger-Denkmal zählt seit Jahren zu den umstrittensten Denkmälern Wiens. Karl Lueger war von 1897 bis 1910 Bürgermeister der Stadt und gilt bei Historikern als einer der wichtigsten Wegbereiter des politischen Antisemitismus in Österreich.
Schon vor der künstlerischen Umgestaltung gab es immer wieder Farb-Attacken auf die Statue. Die Stadt Wien startete daher im Herbst 2022 einen Kunstwettbewerb zur künstlerischen Umgestaltung bzw. zur permanenten Kontextualisierung. Aus 13 eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern ging der Entwurf "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)" von Klemens Wihlidal als Sieger hervor.
Den Grund für die geplante Kippung seines Kunstwerks erläuterte der Künstler im Jahr 2023: "Diese 3,5 Grad, das ist der Punkt, wo ich zum ersten Mal Irritation spüre, und ich glaube, das ist sogar mehr, als wenn ich das 45 Grad neigen würde." Die Schräglage soll zum Nachdenken über die historische Rolle Luegers anregen.
Im heurigen Jänner wurde das Denkmal daher abgetragen und gereinigt. Doch bereits während der Restaurierung war das Denkmal Ziel einer Farb-Attacke geworden. Nach der Restaurierung wurde die Statue dann Ende Mai wieder aufgestellt und am 11. Juni offiziell enthüllt – begleitet von einem Pfeifkonzert der jüdischen Hochschüler:innen.
Anfang Juli folgte dann bereits der erste Eklat: Der jüdische Künstler Alon Ishay gestaltete das Denkmal mit wasserlöslicher Sprühkreide und Stickern um. Auf den Boden wurden Fußabdrücke gesprüht, auf dem Denkmal Sticker mit der Aufschrift "Schande" angebracht. Ein Polizei-Einsatz war die Folge.
Gegen Ishay wurde Anzeige wegen des Verdachts der Störung der öffentlichen Ordnung erstattet. Außerdem wurde eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der schweren Sachbeschädigung übermittelt. Der Künstler wurde zudem nach dem Einsatz von einem Unbekannten beschimpft, bespuckt und körperlich angegriffen.
Kritiker des Denkmals wie die jüdischen Hochschüler:innen fordern eine Entfernung der Statue. Zuletzt verlangt auch die Universität für angewandte Kunst die sofortige Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Platzes. Die neue Kontextualisierung scheint offenbar nicht zu funktionieren – nun muss die Lueger-Statue nach der jüngsten Farb-Attacke erneut gereinigt werden.