"Schul-Shutdown wäre für Kinder und Eltern Katastrophe"

Prominente Österreicher stemmen sich aus unterschiedlichsten Gründen gegen einen neuerlichen Schul-Lockdown.
Prominente Österreicher stemmen sich aus unterschiedlichsten Gründen gegen einen neuerlichen Schul-Lockdown.Picturedesk, Sabine Hertel, Helmut Graf, Puls 4, privat – Montage: "Heute"
Seit Tagen kursieren Gerüchte über Schulschließungen. Jetzt reicht es prominenten Österreichern. Sie sagen: "Wir müssen diese Katastrophe verhindern."

"Heute"-Kolumnist Niki Glattauer hat Eltern am Montag – wie berichtet – quer durch das Land in Alarmstimmung versetzt: Bereits ab 16. November – so die Prognose des Wiener Schuldirektors – könnten sämtliche Schulen Österreichs wieder geschlossen werden. Die Regierung möchte sich indes noch nicht in die Karten schauen lassen, spricht nur von möglichen Verschärfungen, ohne auf die Details einzugehen. "Falter"-Politjournalistin Barbara Tóth berichtete bereits vergangene Woche von Backstage-Infos über eine mögliche Komplett-Rückkehr zum Home Schooling.

Kinder kein Corona-Treiber

Und das, obwohl Zahlen aus Wien unmissverständlich zeigen: Kinder sind keine Infektionstreiber. Im 7-Tages-Schnitt machten die 0-19-Jährigen am 14. September 18,8 Prozent der positiven Befunde in der Bundeshauptstadt aus. Am 7. September war Schulstart, also hätte sich danach eine Auswirkung zeigen müssen, falls Schulen die Pandemie befeuern würden. Aber: Ein Blick auf den 7-Tages-Schnitt am 7. November zeigt das Gegenteil: Die 0-19-Jährigen machten zu diesem Zeitpunkt sogar einen kleineren Anteil der positiven Befunde aus, nämlich 12,4 Prozent. Die Story mit allen Zahlen, Daten und Fakten kannst du HIER nachlesen.

Der "Heute"-Promi-Rundruf

"Heute" hat indes einen Rundruf bei starken Stimmen dieses Landes gestartet – darunter Mütter, Väter, Bildungs- und Medizinexperten sowie Spitzenpolitiker dieses Landes. Sie alle sprechen sich gegen einen Schul-Shutdown aus:

➤ Caritas-Präsident Michael Landau: "Es gibt viele Gründe, einen Bildungslockdown zu verhindern: Die Schließung von Schulen nimmt Kindern Bildungschancen. Wir sehen in unseren Lerncafés in ganz Österreich: Die Bildungsschere droht, in der Krise weiter aufzugehen – gerade Kinder aus sozial benachteiliten Familien sind betroffen. Offene Schulen helfen aber auch dabei, die Pflege älterer Menschen in dieser Krise weiter aufrecht zu erhalten, weil berufstätige Eltern ihrer Arbeit weiter nachgehen können. Aus Sicht der Caritas ist klar: Die Schließung von Schulen darf nur das letzte Mittel der Wahl sein. Nicht nur die Politik, wir alle sind im Kampf gegen Corona jetzt gefordert, den Zusammenhalt in Österreich zu stärken."

Caritas-Präsident Michael Landau
Caritas-Präsident Michael LandauHelmut Graf

➤ Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil: "Ich spreche mich entschieden gegen einen neuerlichen Bildungslockdown aus. Eine derartige Entscheidung würde nicht nur der Mehrheit der Experten widersprechen, laut denen Kinder wenig zum Infektionsgeschehen beitragen, sondern hätte vor allem für Kinder und ihre Eltern schwerwiegende Konsequenzen." Das komplette Interview mit Hans Peter Doskozil kannst du HIER nachlesen >>

Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SP)
Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SP)
Denise Auer

➤ Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP): "Grundsätzlich ist es wichtig, die Schulen unter strengen Hygiene-Vorschriften so lange wie möglich offenzuhalten. Zum einen ist das wichtig, um unsere Familien in der Betreuung nicht zu überfordern und den Kindern und Jugendlichen eine bestmögliche Bildung anzubieten." Das komplette Interview mit Johanna Mikl-Leitner kannst du HIER nachlesen >>

Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP)
Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP)
Picturedesk

➤ Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ): "Ich lehne ein Schließung der Schulen entschieden ab. Bei allen Entscheidungen, die wir rund um Covid treffen, geht es nicht nur darum, eine Wirkung zu erzielen, sondern auch die Folgekonsequenzen im Auge zu behalten. Den Kindern hat man im letzten dreiviertel Jahr ohnehin schon ganz schön viel angetan. Man hat sie aus ihrer Schul- und Freundschaftsroutine herausgerissen. Wir sollten sie dringend in Ruhe lassen" Das komplette Interview mit Peter Hacker kannst du HIER nachlesen >>

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ)
Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) HERBERT PFARRHOFER / APA / picturedesk.com

➤ Neos-Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger: "Es ist die schlechteste Lösung, wenn Kinder nicht in der Schule sind – das bestätigt die AGES, die von dann unkontrolliert steigenden Infektionszahlen im privaten Bereich ausgeht. Und es bestätigen Bildungswissenschaftler, die davor warnen, dass wir viele Kinder verlieren werden. Daher kämpfe ich dafür, dass gerade bei unseren Kindern ihre Zukunft mitbedacht wird und immer nach den gelindesten Mitteln gesucht wird – bevor Schulen geschlossen werden. Unsere Kinder sind unsere Zukunft!"

Neos-Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger
Neos-Klubobfrau Beate Meinl-ReisingerPicturedesk

➤ Eva Dichand, "Heute"-Herausgeberin, Netdoktor-Chefin, Mutter: "Diese Woche wird die Zahl der Neuinfektionen wohl noch einmal stark ansteigen! Ein Lockdown beginnt erst nach 12 bis 14 Tagen zu greifen. Davor allerdings wird es extrem viele Neuansteckungen geben, da wir in der Vorwoche teils über 8.000 tägliche Positiv-Befunde hatten, das ist einfache Mathematik. Es gilt jetzt, die Nerven zu bewahren. Die Woche danach wird leider erst zeigen, in welche Richtung es geht. Schulschließungen und damit verbundenes Home Schooling stressen Schüler und Eltern – es gibt darüber hinaus keine einzige Studie, die zeigen würde, dass Kinder Infektionstreiber sind."

"Heute"-Herausgeberin Dr. Eva Dichand
"Heute"-Herausgeberin Dr. Eva DichandHelmut Graf

➤ Corinna Milborn, Puls-4-Infochefin, Autorin, Mutter: "Es darf kein einziges Kind zurückbleiben. Für Kinder, die im Home Schooling mit dem Stoff nicht mitkommen, muss es unbedingt individuelle Hilfe geben. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass alle LehrerInnen engagiert genug sind und alle Eltern die fehlende Schule einfach auffangen können: Es braucht nun ein enges Netz digital verfügbarer Nachhilfe-Lehrerinnen, die den Kindern durch diese Zeit durchhelfen. Sonst geht die Bildungsschere weiter auf.“

Puls-4-Infochefin Corinna Milborn
Puls-4-Infochefin Corinna MilbornPicturedesk

➤ Barbara Tóth, "Falter"-Journalistin, Autorin, Mutter: "Schulen weiter offen zu lassen ist das Gebot der Stunde. Das sage ich nicht nur als Politik-Journalistin, die weiß, wie umstritten Schulschließungen innerhalb der Regierung sind und wie wichtig es daher ist, öffentlich Druck zu machen. Ich sage das vor allem als Mutter zweier schulpflichtiger Kinder, die Teilzeit-alleinerziehend ist. Ich kann zur Not Sonderbetreuungszeit nehmen, aber was machen Eltern, die selbständig sind? Ich würde das anders sehen, hätte die Regierung die Sommermonate genutzt, um alles fürs Lernen auf Distanz vorzubereiten. Allen voran allen Kindern Laptops umsonst zur Verfügung zu stellen und einheitliche digitale Lernplattformen pro Schulstandort aufzubauen. Leider ist das nicht passiert. Die Lösung ist ganz einfach: Bis es soweit ist, müssen andere Bereiche der Gesellschaft, etwa der Handel, eingeschränkt werden. Die Schulen und Kindergärten müssen diesmal die letzten sein, die in den Lockdown gehen."

"Falter"-Journalistin, Autorin und Zweifach-Mama Barbara Tóth
"Falter"-Journalistin, Autorin und Zweifach-Mama Barbara Tóthprivat

➤ Sandra Kartik, "Heute"-Journalistin und Mutter: "Der erste Lockdown war extrem herausfordernd für uns berufstätige Eltern. Noch einmal Homeschooling und Homeoffice über mehrere Wochen zu gewährleisten, schaffen wir nicht, ohne Schaden daran zu nehmen – es wäre eine Katastrophe für Kinder und Eltern. Zu erwarten, dass wir Eltern alles unter einen Hut bringen und dabei auch noch gute Laune bewahren, ist illusorisch, selbst für humorbegabte Menschen. Ich will meinen Sohn so gut es geht bei allem unterstützen. Aber ich bin keine Lehrerin. Er wird, wie alle anderen Schüler auch, nicht nur viel Stoff verpassen, wenn die Schulen wieder geschlossen werden. Stoff, der nicht mehr nachzuholen ist. Kinder brauchen andere Kinder. Ich bin gegen eine neuerliche Schulschließung."

"Heute"-Journalistin und Mama Sandra Kartik
"Heute"-Journalistin und Mama Sandra Kartikprivat

➤ "Hunger-Frontman Lucas Fendrich: "Wir wissen bis heute nicht, ob es in den Schulen zu Cluster-Bildungen kommt. Diese wichtige Entscheidung müssen Experten treffen – sie darf nicht im politischen Hick-Hack getroffen werden. Speziell Kinder und alle Familien müssen in dem Jahr schon sehr viel mitmachen und die psychische Belastung ist hoch. Daher ist es enorm wichtig, bei Schulschließungen die Familien ordentlich zu unterstützen."

"Hunger"-Frontman Lucas Fendrich
"Hunger"-Frontman Lucas Fendrich
Instagram/Andrew Wox

Sängerin Missy May: "Ich bin keine Virologin, also muss ich da einfach auf die Experten vertrauen. Was ich aber weiß, ist, dass die Politik ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat. Es war einen ganzen Sommer lang Zeit, sich etwas zu überlegen. Die jetzige Situation war vorherzusehen. Ich merke es bei meiner 11-jährigen Tochter, dass sie immer noch nicht richtig in der Schule angekommen ist und jetzt womöglich wieder nach Hause geschickt wird. Die Nachwehen vom Frühjahr sind spürbar. Das größte Problem ist aber, dass ich keine Lehrerin bin. Und kein Kind möchte freiwillig mit den Eltern lernen. Das geht auch gar nicht. Ich habe ja keine Ahnung. Man fängt an zu streiten. Deshalb habe ich schon beim ersten Lockdown Mathematik an Youtube abgegeben. Dort werden die Themen besser erklärt als von mir."

Sängerin Missy May mit ihrer Tochter Marie
Sängerin Missy May mit ihrer Tochter Mariepicturedesk

WEITERLESEN: Das sagen Österreichs Lehrer >>

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