Die Schweizer haben sich offenbar gegen eine Begrenzung der Zuwanderung ausgesprochen. Laut einer ersten Hochrechnung des Forschungsinstituts gfs.bern stimmten am Sonntag 55 Prozent gegen die Volksinitiative "Keine 10-Millionen-Schweiz!" der Schweizerischen Volkspartei (SVP).
Damit zeichnet sich eine Niederlage für die rechtskonservative Partei ab. Im Vorfeld war noch mit einem deutlich knapperen Ausgang gerechnet worden.
Mit ihrer Initiative wollte die SVP verhindern, dass die Bevölkerung der Schweiz bis 2050 auf mehr als zehn Millionen Menschen anwächst. Die Partei machte dafür vor allem die Zuwanderung verantwortlich und forderte strengere Begrenzungen.
Die Schweizer Regierung sowie die meisten anderen Parteien stellten sich jedoch gegen den Vorstoß. Sie warnten vor negativen Folgen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Zudem befürchteten sie Spannungen im Verhältnis zur Europäischen Union.
Die Schweiz hat einen der höchsten Ausländeranteile Europas. Rund ein Viertel der Bevölkerung besitzt keinen Schweizer Pass. Zum Vergleich: In Österreich haben rund 1,85 Millionen der 9,2 Millionen Einwohner nicht die österreichische Staatsbürgerschaft, das sind rund 20 Prozent.
Größte Ausländergruppen der Schweiz (2025):
■ Italien: 346.000
■ Deutschland: 330.000
■ Portugal: 263.000
■ Frankreich: 173.000
■ Kosovo: 121.000
■ Spanien: 90.000
■ Türkei: 80.000
Anders als in Deutschland oder Österreich dreht sich die Zuwanderungsdiskussion in der Schweiz weniger um Flüchtlinge aus Syrien (ca. 30.000) oder Afghanistan (ca. 15.000). Der Großteil der Zuwanderung erfolgt über die Personenfreizügigkeit aus EU- und EFTA-Staaten.
Deshalb stehen in Schweizer Debatten meist Deutsche, Italiener, Portugiesen oder Franzosen im Mittelpunkt - also Arbeitskräfte, die wegen Jobs ins Land kommen.