Wütende Bürger stürmen TV-Sender! Aufgebrachte Demonstranten haben am Montag den regierungsnahen Nachrichtensender "Informer" gestürmt und Chefredakteur Dragan J. Vučićević zur Rede gestellt. Die Vorwürfe gegen den TV-Boss wiegen schwer.
Rund 20 Demonstranten drangen am Montagabend in das Studio des serbischen Senders ein. Die Live-Sendung musste unterbrochen werden. Vučićević versuchte verzweifelt, die Polizei zu erreichen.
Dem Chefredakteur wird vorgeworfen, Regierungsgegner und protestierende Studenten gezielt diffamiert und als "Ustascha" – eine Bezeichnung für kroatische Faschisten – beschimpft zu haben. Immer wieder streute Ex-Präsident Aleksandar Vučić die Erzählung, Serbien sei von "ausländischen Faktoren" unterwandert.
Eine öffentliche Entschuldigung zu diesen Vorwürfen gab es nicht. Wie Videos in sozialen Medien aber zeigen, soll der Informer-Boss gesagt haben, dass die Beleidigung "Ustascha" nicht an die aufgebrachten TV-Stürmer gerichtet gewesen sein soll.
Unter den Demonstranten war auch Dijana Hrka, deren Sohn 2024 beim Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad ums Leben kam. Sie stellte den Medienchef wegen seiner Berichterstattung zur Rede. Die Demonstranten forderten eine öffentliche Entschuldigung. Schließlich griff die Polizei ein. Der Vorfall zeigt, wie aufgeheizt die Stimmung in Serbien ist.
Doch was genau werden die Serben dem "Informer"-Chef Dragan J. Vučićević vor? Kritiker werfen ihm vor, nach der tödlichen Bahnhofskatastrophe von Novi Sad mit Sabotage-Theorien von politischer Verantwortung abgelenkt zu haben.
Zudem soll er protestierende Studenten systematisch diffamiert, politische Gegner vor Wahlen attackiert und Präsident Aleksandar Vučić mit einseitiger Berichterstattung unterstützt haben. Besonders brisant: Die Mutter des Katastrophenopfers Dijana Hrka aus Novi Sad wirft dem TV-Chef vor, sogar ihren toten Sohn als "Ustascha" beschimpft zu haben.
Auch vor den TV-Stationen des serbischen Rundfunks RTS sowie dem Vučić-nahen TV-Sender Pink gab es am Montagabend Versammlungen. Schwerwiegende Eklats soll es dort ersten Informationen zufolge aber nicht gegeben haben.