Studenten stürzen Vučić! Die Studentenliste hat am Sonntag die Parlamentswahl in Serbien klar gewonnen und den langjährigen Machthaber Aleksandar Vučić abgewählt. Auch in Österreich sorgt der historische Sieg für Begeisterung.
Mit rund 52 Prozent der Stimmen sicherte sich die Studentenliste bei der Wahl am Sonntag die absolute Mehrheit. Das Bündnis von Aleksandar Vučić kam laut ersten Hochrechnungen auf rund 39 Prozent. Im 250 Sitze umfassenden Parlament dürften die Studenten über 135 Mandate und somit eine absolute Mehrheit erhalten.
Vučić räumte seine Niederlage noch am Wahlabend ein, wenn auch mit Seitenhieb: "Sie haben alles gelogen. Sie sind nur Ausführer ausländischer Machthaber!"
Die Studentenbewegung war aus monatelangen Protesten gegen Korruption und die Regierung hervorgegangen. Auslöser der Riesen-Protestbewegung war der Dacheinsturz am Bahnhof von Novi Sad, bei dem 16 Menschen getötet wurden. Bis heute wurde niemand zur Verantwortung gezogen.
Mit einer Wahlbeteiligung von knapp 70 Prozent wurde ein Rekord seit 1992 erreicht. In Belgrad strömten Tausende Menschen auf die Straßen, sangen, tanzten und feierten den Machtwechsel. Vor der Wahlzentrale der Studentenliste gab es eine Riesen-Party nach Bekanntgabe der ersten Wahlprognosen – serbischer Volkstanz "Kolo" inklusive.
Auch in Wien war das Interesse riesig: Bereits vor dem serbischen Konsulat hatten sich am Wahltag lange Warteschlangen gebildet. Der Wahlsieg wurde auch in der serbischen Community in Österreich mit großer Freude aufgenommen.
Im Lokal "Beertija" in Wien-Neubau wurde ab Mitternacht etwa eine Wahlparty sondergleichen gefeiert. Dutzende junge Serben freuten sich über den Wahlsieg der Studenten und hoffen auf eine bessere Zukunft in ihrem Heimatland.
Mit einem weltweit bekannten Lied setzten die Serben in Wien ein Zeichen des Widerstands: Nach der Wahlniederlage der Liste von Aleksandar Vučić bekam das Lied "Bella Ciao" eine neue politische Bedeutung.
Für junge Serben steht es sinnbildlich für den Abschied von der bisherigen Machtpolitik und die Hoffnung auf einen demokratischen Neuanfang. Im Lokal "Beertija" wurde das politische Ende von Vučić gefeiert.