Polyester war jahrzehntelang der unangefochtene König der Trainingskleidung. Leicht, elastisch, schnelltrocknend und vor allem billig.
Doch im Zuge eines wachsenden Nachhaltigkeitsbewusstseins verschiebt sich die Diskussion: Immer mehr Labels setzen auf Naturfasern wie Wolle und Baumwolle. Ein aktueller Bericht des Nachrichtenportals "Business of Fashion" beleuchtet genau diesen Wandel und zeigt, warum sich das Activewear-Segment neu erfindet.
Polyester ist ein synthetischer Kunststoff, der aus Erdöl gewonnen wird. Seine Beliebtheit im Sportbereich verdankt er funktionalen Eigenschaften wie Elastizität, Leichtigkeit und schnellem Trocknen. Doch die ökologische Bilanz dieses Materials gerät zunehmend in die Kritik. Ein zentrales Problem ist die Freisetzung von Mikroplastik: Bei jedem Waschgang lösen sich winzige Kunststofffasern, die über das Abwasser in Flüsse und Meere gelangen und dort kaum abbaubar sind.
Hinzu kommt, dass Polyester auf fossilen, nicht erneuerbaren Rohstoffen basiert. Selbst wenn recyceltes Polyester – sogenanntes rePET – verwendet wird, bleibt das Grundproblem bestehen: Das Material ist weiterhin Kunststoff und setzt bei der Nutzung Mikrofasern frei. Recycling reduziert zwar Abfall, löst jedoch nicht die strukturelle Abhängigkeit von synthetischen Fasern.
Gerade im Activewear-Segment verschärft sich diese Problematik, da Trainingskleidung besonders häufig gewaschen wird. Je öfter gewaschen wird, desto mehr Mikrofasern gelangen in den Wasserkreislauf.
Die kurze Antwort: Nein. Studien zeigen, dass Polyester im Vergleich zu Wolle deutlich schneller Gerüche entwickelt. Der Grund liegt in der Faserstruktur. Synthetische Fasern wie Polyester sind hydrophob, also wasserabweisend.
Schweiß bleibt deswegen länger an der Oberfläche, wo sich geruchsbildende Bakterien ansiedeln können. Zudem bieten synthetische Materialien eine glatte Oberfläche, auf der sich bestimmte geruchsaktive Verbindungen besonders gut binden.
Merinowolle hingegen weist eine komplexe, schuppige Faserstruktur auf. Sie kann Feuchtigkeit aufnehmen – bis zu etwa 30 Prozent ihres Eigengewichts – ohne sich dabei nass anzufühlen. Gleichzeitig bindet sie geruchsverursachende Moleküle im Inneren der Faser.
Mehrere Forschungsarbeiten, unter anderem aus skandinavischen Materiallaboren, zeigen, dass Wolle bei identischer sportlicher Belastung signifikant weniger Geruch entwickelt als Polyester.